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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
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181 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns Über die patriarchalen Verhältnisse und die Herrschaft der Männer über Frauen in den ultraorthodoxen und orthodoxen jüdischen Familien wurde in der letzten Zeit auch in Ungarn viel diskutiert. Letztes Jahr erschütterte die Zuseher*innen die Geschichte von Esther Shapiro in der Netflix-Serie Unorthodox (2018) nach dem autobiografischen Roman von Deborah Feld- man über die Satmarer Chassidim.1 Die ungarischen Jüd*innen haben also die Möglichkeit, alle Facetten der orthodoxen Realität kennenzulernen. Dennoch neigen viele von ihnen dazu, die Orthodoxie als einzig wahre jü- dische Religionslehre zu betrachten, wozu auch die öffentliche Unterstüt- zung der Neo-Ortho doxie durch die aktuelle rechtskonservative Regierung Ungarns beiträgt. 2 Die historischen Quellen des jüdischen Fundamentalismus und eine kurze Geschichte des Judentums Ungarns Auch im Judentum entstand der Fundamentalismus als Antwort auf die moderne Reform-Bewegung des 19. Jahrhunderts, welche die Religion und die jüdische Identität zu gefährden schien. Die Wurzeln des Fundamenta- lismus liegen jedoch in der früheren jüdischen Geschichte. Nach der Zerstörung des Zweiten Heiligtums von Jerusalem (70 n. u. Z.) wurden die Rabbiner zur führenden Macht im Judentum, und damit be- gann die Säkularisierung der jüdischen Religionslehre. Denn die rituellen Aufgaben der Rabbiner unterscheiden sich ja nicht von den Aufgaben aller Jüd*innen. Während die Priester die rituellen Handlungen nach den hei- ligen Geboten im Heiligtum verrichteten, vermittelten die Rabbiner diese Gebote den Gläubigen im Laufe ununterbrochenen Tora- und Talmud- Studiums. Wie der Gründer der jüdischen Befreiungstheologie Marc H. Ellis schreibt: „If prophets spoke the unmediated word of God, the rabbis used record of God’s instruction to help guide the community in the present“ (Ellis 2004, 34). Mit dem Beginn der rabbinischen Ära kam es zu ersten Versuchen einer Dogmatisierung des Judaismus, die im Mittelalter besonders fruchtbar wa- ren. Zwar ist der Judaismus im Prinzip keine dogmatische Lehre, doch kön- nen die Tora und die rabbinischen Auslegungen, wie z. B. die Kommentare von Raschi (Rabbi Schlomo Jizchaki, 1040–1105), für eine Radikalisierung der religiösen Überlieferung verwendet werden. Als ideologische Quellen der fundamentalistischen Lehren werden vor allem die Sammlung jüdi- scher Gesetze Mischne Tora von Rabbi Mosche ben Maimun (Maimonides, 1 Die Chasside (d. h. Fromme) sind die Anhänger*innen einer jüdischen ultraorthodoxen Richtung. Die Sat- marer Gruppierung wurde 1905 in der damals ungarischen (heute ru- mänischen) Stadt Satu Mare (unga- risch: Satmar) gegründet. Sie wird charakterisiert durch die Ablehnung des Zionismus und somit des Staates Israel sowie aller weltlichen Gesetze.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
4:1
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
224
Categories
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