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Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns
Von Chabad-Rabbinern wird oft betont, dass Frauen eine besondere Stel-
lung in der Bewegung einnehmen. Sie leiten nicht nur Kindergärten und
Küchen, sondern auch Schulen, Redaktionen, Ausbildungszentren und an-
dere Institutionen von Chabad. Zusammen mit Männern lernen die Frauen
an freien Chabad-Universitäten und in Talmud-Kursen. Das Gleiche erlebe
ich auch in Ungarn.
Aber im obigen Artikel geht es sogar um viel mehr, denn die Frauen werden
darin durch den Begriff „Leiter“ den Rabbinern gleichgestellt. Man könnte
durchaus denken, dass das etwas Neues ist. – Ist es aber nicht!
Die Jüdinnen, die an der Konferenz in Brooklyn teilnahmen, waren näm-
lich Rabbanot (Ehegattinnen von Chabad-Rabbinern). Im Artikel steht
ausdrücklich, dass die meisten Teilnehmer*innen verwandt bzw. eng be-
freundet miteinander waren. Diese Tatsache weist auf die clanartigen Be-
ziehungen innerhalb von Chabad hin, die die ganze Organisation noch in-
transparenter machen.
Eine der Teilnehmerinnen, die Rebbetzin Batsheva Oberlander, kam 1989
zusammen mit ihrem Mann Baruch Oberlander, dem ersten ungarischen
Chabad-Abgesandten, nach Ungarn, aber auch sie selbst war eine Abge-
sandte des Rebbe. Denn er begann schon 1955 ein Ausbildungsprogramm
für Frauen und „bat die weiblichen Ausgesandten, die Bildung der Erwach-
senen aktiv zu fördern.“ (Sharfstein 2020, 3; Übersetzung: L. H.) Batsheva
Oberlander ist Lehrerin von Beruf, sie leitet zwei Chabad-Schulen in Buda-
pest und ist für die Mikwe (Ritualbad) verantwortlich. Sie brachte sieben
Kinder zur Welt, von denen zwei schon verheiratet und selbst als Chabad-
Abgesandte in Ungarn tätig sind.
Der zitierte Artikel aus dem Februar 2020 erwähnt weiterhin, dass es für die
„religiöse Welt nicht typisch ist, dass die Rabbinergattinnen eine so wich-
tige Rolle in der Organisation der Gemeinschaft und der Bildung“ bekom-
men: „Der Rebbe soll einst gesagt haben: ‚Ihr seid nicht nur die Ehefrauen
der Abgesandten, sondern selbst Abgesandte.‘“(Zsido.com 2020; Überset-
zung L. H.)
Was die Einzigartigkeit der Rolle der Chabad-Frauen betrifft, muss dem
Artikel widersprochen werden, denn die ungarischen orthodoxen Jüdinnen
hatten schon früher einige Erfahrung in der Leitung der Gemeinschaft und
der Ausbildung weiblicher Mitglieder. Ein Beispiel dafür war die orthodoxe
Chabad-Rabbiner betonen die besondere
Stellung von Frauen in der Bewegung.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 4:1
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 224
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven