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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
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192 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns worden, der sich nach der kreativen Phase der Schöpfung zurückgezogen habe (vgl. Meyers/Litman 1995, 53–55). Die Chabad-Jüdinnen entwickelten sogar ein mystisches Konzept von Nida und verglichen die Zurückgezogenheit orthodoxer Frauen mit dem ver- borgenen Gesicht Gottes (vgl. Lubavitch Educational Foundation 1981, 59–60). Die orthodoxen Jüdinnen erleben Nida somit nicht als Diskrimi- nierung, sondern als Zeichen ihres besonderen Zustands der Weiblichkeit (vgl. Frankiel 1990, 31). Doch kommen viele Jüdinnen nicht nur aus religiösen oder spirituellen Gründen zur Neo-Orthodoxie, sondern weil sie dort heiratstüchtige (d. h. wohlhabende und vom Rabbiner empfohlene) Männer, gleichgesinnte weibliche Gesellschaft oder sogar Geschäftsfreunde für den Einstieg in das Wirtschaftsleben finden (vgl. Meyers/Litman 1995, 68). Dafür gibt es zahl- reiche Beispiele auch in Ungarn. Die Interessen und Aktivitäten der meisten orthodoxen und neo-ortho- doxen Jüdinnen gehen jedoch nicht über den Bereich ihrer Familien hin- aus, denn die größte Aufgabe einer religiösen Jüdin ist bis heute, Kinder zu bekommen. Um dieses Gebot Gottes zu erfüllen, wird im Judentum so- gar die künstliche Befruchtung gefördert (vgl. Oberlander 2017, 13). Doch das richtige (sittsame) Verhalten der Jüdinnen ist für die Fruchtbarkeit am entscheidendsten: „Wenn sich eine Jüdin tugendhaft kleidet, insbesondere wenn sie die Haare bedeckt, wird sie von oben mit Reichtum, Kindern und Enkelkindern gesegnet.“ (Oberlander 2017, 14; Übersetzung: L. H.) 5 Fazit Aus den beiden letzten Kapiteln kann gefolgert werden, dass die Neo-Or- thodoxie Ungarns, die als eine Gründung der Chabad-Bewegung zu den jü- dischen fundamentalistischen Gruppierungen gezählt werden kann, sehr daran interessiert ist, die Stellung der Frauen innerhalb der Gemeinschaft in einem sympathisch Licht darzustellen. Obwohl das erfahrene Auge die Anzeichen der ‚Verdinglichung‘ von Frauen (bzw. Ehefrauen) als Mittel zur Erfüllung der göttlichen Gebote der Vermehrung und der Sittlichkeit bald entdeckt (vgl. Baskin 2020, 155), dürfen die Bemühungen der Chabad- Rabbiner in der Frauenpolitik nicht übersehen werden. Dazu gehören ge- schönte Tora- und Talmud-Auslegungen im öffentlichen Unterricht, die Zusammenarbeit mit Frauen in der Leitung der schulischen Bildung, der Versorgung und der Altenpflege, die Veröffentlichung von Beiträgen von
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
4:1
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
224
Categories
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