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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
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204 | www.limina-graz.eu Tanja Grabovac | Religiöser Fundamentalismus und die LGBTIQ-Bewegung in Bosnien und Herzegowina nen ersticken, die im Patriarchat und in autoritär geführten Familien so sehr an Freiheitsmangel, Ungerechtigkeit und Gewalt leiden und sich darin oft nicht akzeptiert, gedemütigt und tragisch unglücklich fühlen.“13 3 Trans­ ethnische Bürger*innen: Ein LGBTIQ­ Phänomen – oder eine Alternative? Die Nachkriegsgesellschaft in Bosnien und Herzegowina kann man als eine Gesellschaft mit ethno-nationalen, religiösen, sprachlichen und bil- dungsbezogenen Spaltungen beschreiben. Nach der Volkszählung von 2013 stimmen nationale und religiöse Identitäten weitgehend überein.14 Die- se Verschmelzung von religiöser und nationaler Identität ist nicht nur ein entscheidendes Merkmal der bosnischen Gesellschaft, sondern aller post- jugoslawischen Nachfolgestaaten.15 Durch Spaltungen, Distanzierung und Hassreden pflegt die bosnische Ge- sellschaft eine Kultur der Trennung und des Hasses. Ethno-nationale Iden- tität offenbart automatisch die religiöse Zugehörigkeit und umgekehrt. Zu dieser gehört auch, welche Sprache man spricht oder mit wem bzw. mit welcher ethnischen Gruppe man zur Schule geht. In diesem Kreis vonei- nander abhängiger Identitäten stützt eine Identität die andere. So wie die nationale Identität das Selbstverständnis der religiösen Identität beein- flusst, spielen auch alle großen Konfessionen in Bosnien und Herzegowina eine bedeutende Rolle bei der Schaffung einer ethno-nationalen Identität. Eine von der OSCE-Mission in Bosnien und Herzegowina im Jahr 2019 durchgeführte Umfrage zeigt das Ausmaß der Diskriminierung und Tren- nung. Laut den Ergebnissen der Umfrage erklärten 58,2 Prozent der Be- fragten, dass sie keine*n Freund*in/Kolleg*in/Bekannte*n aus einer re- ligiösen Minderheit in ihrem Gebiet haben, 63,3 Prozent haben keine*n Freund*in/Kolleg*in/Bekannte*n aus der Roma-Gemeinschaft und 85 Prozent keine*n Freund*in/Kolleg*in/Bekannte*n aus der LGBTIQ-Ge- meinschaft (vgl. OSCE 2020, 25). Vor dem Hintergrund dieses sozialen Kontextes sind zwei Umfragen von SOC, einer Menschenrechtsorganisation, die besonders für Frauen- und LGBTIQ-Rechte in Bosnien und Herzegowina eintritt, von außerordent- 13 Bosniaken (muslimisch): 1.769.592 oder 50,11%; Serben (orthodox): 1.086.733 oder 30,77%; Kroaten (katholisch): 544.780 oder 15,42%; andere: 3,7%. 14 Siehe auch: http://www.statis- tika.ba/ [05.03.2021] und Cvitković 2017, 29. 15 Siehe die Diskussion in Sremac/ Ganzevoort 2015. In einem Kreis voneinander abhängiger Identitäten stützt eine Identität die andere.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
4:1
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
224
Categories
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