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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Page - 172 -
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Page - 172 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2

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173 | www.limina-graz.eu Franz Winter | Hat neben Gottes Allmacht der freie Wille noch Platz? (frĂŒhes 8. Jh.) (vgl. Judd 1999), besonders hervorgehoben, um die Qādiriyya zu diskreditieren. Prominent war die Bewegung vor allem im Zuge der drit- ten fitna, einer Serie von AufstĂ€nden am Ende der Umayyaden herrschaft (744–747), die viel zum abtrĂ€glichen Image dieser Bewegung beigetragen hat. Doch lĂ€utete diese schon den Übergang zu den neuen MachttrĂ€gern, den Abbasiden, ein, unter deren Herrschaft die Qādiriyya schließlich zu einem Ende kam (Judd 2013). Ihre Ideen und die Themen blieben jedoch lebendig und wurden schon im 8. Jahrhundert von der bedeutenden theologischen Strömung der Mu‘taziliten wieder aufgenommen. Mit ihnen verbindet sich die Entwick- lung der Tradition des kalām, die durch die Übernahme und Rezeption der Methodik antiker griechischer dialektischer Philosophie in den Islam ein- gelĂ€utet wurde. UrsprĂŒnglich in erster Linie als Apologetik des Islam gegen andere Religionen wie Christentum oder ManichĂ€ismus gedacht, entwi- ckelte sich der kalām zu einer produktiven spekulativen Auseinanderset- zung mit der eigenen religiösen Tradition. Die darin ausgelöste Diskus- sion thematisierte zentrale Fragestellungen, die bis dahin noch ungelöst waren und die nun einer systematischen Betrachtung zugefĂŒhrt wurden, zumal sich die neue Strömung anfĂ€nglich der Förderung durch die frĂŒ- hen Abbasidenherrscher versichern konnte (Hughes 2013, 189–191). Wie noch auszufĂŒhren sein wird, fĂŒhrte die Debatte aber letztendlich zu einer Exklusion der Mu‘taziliten, deren Positionen als zu spekulativ und kĂŒhn wahrgenommen wurden und einer orthodoxen, traditionalistischen Fest- legung Platz machen mussten, die vielfach eine relative Einzementierung in einer Reihe von zentralen Punkten mit sich brachte. Bedeutende weite- re Impulse kamen dann vor allem von der Schule, die sich auf al-Ash‘arÄ« (873/874– ca. 935/936) zurĂŒckfĂŒhrt, dem eine Art Synthese aus Konzepten der Mu‘taziliten und der orthodoxen, traditionalistischen Positionierung nachgesagt wird, die fĂŒr die weitere Entwicklung der islamischen Theolo- gie bis heute zentral ist (Hughes 2013, 192f). Neben der Frage nach der Erschaffenheit oder Unerschaffenheit des Koran, mit dem man viele weitere Themen wie die des Charakters der Offenbarung ĂŒberhaupt oder zentraler Aspekte des GeschichtsverstĂ€ndnisses verband, oder der nach dem VerhĂ€ltnis von Vernunft (‘aql) und Glaube und der Auto- nomie rationalen Denkens, war in diesem Zusammenhang auch die Frage Die Rezeption der Methodik antiker griechischer dialektischer Philosophie in den Islam
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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