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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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197 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter bald darauf der Theologe Romano Guardini als „polaren Gegensatz“ (1925) umrissen hat. Unter diesem Gesichtspunkt bildet sich das Ich beim Zusam- mentreffen des historischen, natĂŒrlichen und relationalen Umfelds. Rund ein Jahrhundert nach Simmels Lehren stellen wir fest, dass die Dis- tanznahme von der RealitĂ€t letztlich nicht nur das Subjekt schwĂ€cht, son- dern sogar eine Gesellschaft von AutistInnen hervorbringt. Die Freiheit neu zu denken wĂ€re demnach der Versuch, angemessene Antworten auf die Frage der sozialen Bindungen zu suchen, und zwar ĂŒber die GleichgĂŒltig- keit und Unannehmlichkeit hinaus, die innerhalb des modernen und zeit- genössischen Vorstellungsraums damit assoziiert werden. Hier hat sich das Pendel auf die Seite der IndividualitĂ€t verschoben, auf die alles bezo- gen wird. So ist es kein Zufall, wenn die forcierte Individualisierung Gefahr lĂ€uft, durch die Suche nach (tendenziell rĂŒckwĂ€rtsgewandten) kommuni- taristischen Formen kontrastiert zu werden, die eine organizistische und fusionale Sichtweise des Gesellschaftlichen heraufbeschwören, die ebenso gefĂ€hrlich und tendenziell darauf ausgerichtet ist, Freiheit gegen Sicher- heit einzutauschen.5 Sowohl im Falle der individualistischen Auffassung als auch in dem der organizistischen stellt sich jedoch erneut der Dualismus zwischen Indivi- duellem und Sozialem ein und somit ein Zustand stĂ€ndiger Unsicherheit, bis hin zur Pathologisierung des VerhĂ€ltnisses zwischen Individuum und Gruppe sowie zur Aufhebung eines der beiden Pole und dem Verschwinden der Voraussetzungen des VerhĂ€ltnisses. Die Annahme der GleichursprĂŒnglichkeit der beiden Pole in einem ,meta- stabilen‘ Gleichgewicht (wie Simondon [1992] es nennen wĂŒrde) impliziert eine relationale Auffassung der Freiheit. Diese Auffassung erfordert einer- seits das Individuum, und erfordert es in seiner Eigenschaft als FĂŒr-sich- Seiendes; andererseits geht diese Auffassung nicht nur in Richtung des Wachstums und einer individuellen Autonomie, sondern auch in Richtung von Bedingungen, die es der Freiheit erlauben, sich relational im VerhĂ€ltnis zur Wirklichkeit zu entwickeln, die es gegenĂŒber dem Subjekt in ihrer un- beugsamen AlteritĂ€t zu schĂŒtzen gilt. Die Vorstellung eines Ichs, das unabhĂ€ngig von seinem Kontext existiert, stellt eine Abstraktion dar. Frei zu sein bedeutet nicht, fortwĂ€hrend die (relationalen, symbolischen, institutionellen) Verbindungen zu durch- 5 NĂ€her betrachtet, macht das Ver- langen nach Sicherheit, angesichts der zunehmenden Risiken, gewis- sermaßen das Ergebnis jener Logik aus, aus der heraus sich die Gesell- schaft der Individuen entwickelt hat (Bauman 1988; Baumann 2001). Ein ‚meta-stabiles‘ Gleichgewicht zwischen Individuum und Sozialem impliziert eine relationale Auffassung der Freiheit.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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