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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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198 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter trennen: Ein solches Verhalten fĂŒhrt notwendig zu neuen und heimtĂŒcki- scheren Formen der AbhĂ€ngigkeit, die in einer technischen Gesellschaft als AbhĂ€ngigkeit von Systemen und unpersönlichen, abstrakten bzw. funk- tionalen Denkmustern entstehen, im Sinne dessen, was Michel Foucault (2004) als ‚biopolitische Macht‘ definierte. In derartigen AbhĂ€ngigkeiten verschwindet das Individuum. Nach Simmel darf die Definition von Freiheit umso weniger oberflĂ€chlich sein, je mehr das Konzept der Person eine angemessene Position gefunden hat und somit realistischer gesehen wird, nĂ€mlich als „ein Komplex von QualitĂ€ten, Gedanken, GefĂŒhlen, vielleicht gar ein metaphysisches Etwas“ (GSG 4, 135). Ein Individuum ist dem anderen Du sowie der Welt gegenĂŒber beziehungsfĂ€hig, ohne durch den es umgebenden Kontext vollstĂ€ndig ein- verleibt zu werden, und es erhĂ€lt hierbei die eigene Innerlichkeit aufrecht, jedoch ohne sich in einer inneren, autoreferentiellen Welt zu verschlie- ßen; es ist fĂ€hig, sich vor der Durchdringung und dem Grundrauschen der Schnelllebigkeit zu schĂŒtzen, die jenen Systemen eigen ist, die Individuen dazu veranlassen, zu schreien, um gehört zu werden,6 um so eine Bezie- hung aufnehmen zu können, die imstande ist, den von der Wirklichkeit aufgeworfenen Fragen entgegenzutreten. Begrenzungen der Freiheit, Möglichkeit der Freiheit Nach den herrschenden Vorstellungen ist das Subjekt dann freiheitsfĂ€hig, wenn es sich den Ereignissen gegenĂŒber in unbedingter und unbegrenzter Weise offen hĂ€lt, ohne sich zu entscheiden, denn andernfalls wĂŒrde es sich die Möglichkeit weiterer Gelegenheiten verbauen. Dem liegt der Mythos zugrunde, wonach die Freiheit, nachdem eine Entscheidung getroffen ist, sich erschöpft: Wenn man sich entscheidet, wird man gezwungen, sich von anderen Möglichkeiten zu trennen, d.  h. sich von ihnen zu ‚scheiden‘; und wo eine Entscheidung zu treffen ist, darf man jedenfalls nicht, oder allen- falls zeitweilig, zu sehr an etwas hĂ€ngen, um stets einen Ausweg offen zu halten (Bauman 1988). Dieser Vorstellungsraum ist nicht zuletzt deshalb so durchschlagskrĂ€ftig, weil die gewachsene Gesellschaftsform, in der wir in einer historischen Ab- folge leben, wie schon betont wurde, es gelernt hat, die Öffnung des Men- Die Vorstellung eines Ichs, das unabhĂ€ngig von seinem Kontext existiert, fĂŒhrt zu neuen und heimtĂŒckischeren Formen der AbhĂ€ngigkeit. 6 Vgl. Georg Simmels Essay Die GroßstĂ€dte und das Geistesleben, 1903, jetzt in GSG 7.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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