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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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202 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter Existenz unerlĂ€sslichen) Grenzen nicht die FĂ€higkeit verlieren sollen, sich als porös zu denken, um so mit dem Dynamismus des Lebens in Kontakt zu bleiben. Dies kann eine fortwĂ€hrende Erneuerung der existierenden sozia- len Formen anregen. Freiheit ist nichts anderes als das ,seelische‘ (menschliche) Element, das dazu imstande ist, jede Form zu beleben, deren Seele es ausmacht. Daher ist das VerhĂ€ltnis, das die Freiheit mit der Wirklichkeit eingehen kann ein VerhĂ€ltnis, das mit der Zeit das von innen her dynamisiert, was andernfalls dazu neigen wĂŒrde, zu erstarren. Die ,generative‘ Freiheit Innerhalb des technisch-nihilistischen Vorstellungsraums wurde die Frei- heit im Rahmen des ,Produktionsparadigmas‘ erfasst: Sie wurde identifi- ziert mit der stĂ€ndigen Produktion von Möglichkeiten im materiellen und im quantitativen Sinne, indem die Öffnung des Menschen abgefangen und auf die Zwecke des expansiven technisch-ökonomischen Entwicklungs- modells umgeleitet wurde. Innerhalb der in gewisser Hinsicht neuartigen Erfahrung einer Massenfrei- heit in den entwickelten Gesellschaften stellt sich – wie Weber und Simmel bemerken wĂŒrden – die Frage, ob die Freiheit auf die Annahme jenes Para- digmas festzulegen sei, mit der Gefahr, sich in jenem „stahlharten GehĂ€u- se“ zu verschließen, das „Fachmenschen ohne Geist und Genußmenschen ohne Herz“ (Weber 2016, 171–172) produziert und so das GefĂ€lle zwischen ‚objektiver Kultur‘ und ‚subjektiver Kultur‘ vergrĂ¶ĂŸert, bis „das Ich zer- flattert“ (Simmel, GSG 4, 157). Die oben umrissenen ÜbergĂ€nge beleuchten die Freiheit neu, angefangen von ihrer inneren Struktur, und betrachten sie als Beziehungserfahrung, deren auflösende Seite nicht absolut ist: Sie ist in der Tat dazu imstande, das Individuum neu an die Wirklichkeit des Anderen anzubinden (da die- ser seinem Wesen nach sozial veranlagt ist) sowie an die Wirklichkeit der Grenze (die es dem Leben erlaubt, sich zu entfalten) und der Verantwor- tung – als der Grundlage der Freiheit –, etwas nicht Voraussehbares ins soziale Leben einzubringen. Diese Wege fĂŒhren zu einem anderen Paradig- ma, nĂ€mlich zu jenem der ‚GenerativitĂ€t‘. Der Mensch ist mit Freiheit begabt, auch um Freiheit zu ,generieren‘.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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