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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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203 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter Dieses geht von einer reduktiven anthropologischen Sichtweise des be- herrschenden Vorstellungsraums aus. Der Mensch ist widerstandsfĂ€hig und mit Freiheit begabt, und zwar nicht nur, Freiheit auszuĂŒben, sondern auch, Freiheit zu ,generieren‘, und folglich auch, fortwĂ€hrend die – rela- tio nalen – Voraussetzungen zu reproduzieren, innerhalb derer Freiheit aufblĂŒhen kann. Erik Erikson (1987), der die ,GenerativitĂ€t‘ im psychologischen Bereich hinsichtlich der Entwicklungsstadien der Persönlichkeit thematisierte, hebt hervor, wie die Handlung des ,Generierens‘ den Übergang vom Ju- gend- ins Erwachsenenalter markiert; einen Übergang, der niemals auto- matisch oder vorhersehbar ist: Um sich nicht zu einer Implosion oder Sta- gnation zu entwickeln, erfordert dieser Übergang die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Die Bewegung des ,Generierens‘ bildet kein rein individuelles Vorrecht (McAdams/Hart/Maruna 1998). TatsĂ€chlich verursacht sie eine besondere Form sozialen Handelns, die wir im Rahmen unserer seit einigen Jahren andauernden Studien und Feldforschungen als ,soziales generatives Han- deln‘ umrissen haben:10 ein Handeln, das grundlegend relational ist und das sich, mit Hannah Arendt gesprochen, nicht auf das reine ,Herstellen‘ reduzieren lĂ€sst, sondern die ZĂŒge rein menschlichen, also freien Handelns aufweist. Es geht um ein Handeln, das von der Anerkennung einer grund- legenden anthropologischen Bewegung ausgeht: Der Mensch nimmt die Wirklichkeit nicht nur in sich selbst auf (vor allem mittels des Konsums), sondern versetzt sich vielmehr aus sich selbst heraus, indem er in Form des Erschaffens und Generierens etwas ins Leben ruft. Diese ĂŒberschĂŒssi- ge Dyna mik verwickelt die Subjekte in eine Bewegung der Selbsttranszen- denz, die sie ĂŒber sich selbst hinausfĂŒhrt, indem sie den Anreiz des Wun- sches und des Lebens begĂŒnstigt, das ein ‚Mehr-als-Leben‘ generiert. Das Paradigma der GenerativitĂ€t, das im ,sozial generativen Handeln‘ em- pirisch betrachtet wurde, erfolgt in drei Bewegungen: 1. Zur Welt bringen (initiatorische Phase), 2. Sich kĂŒmmern (organisatorische Phase), 3. Loslassen (transitorische Phase), die unter einer ĂŒberzeitlichen Perspektive auf die Verbesserung der Welt ausgerichtet sind, die die zukĂŒnftigen Generationen betrifft. 10 Das Projekt betrifft die ,sozi- ale GenerativitĂ€t‘ und wird an der Katholischen UniversitĂ€t Mailand durch ein Team von Wissenschaft- lerInnen und ForscherInnen erar- beitet, dem auch die Verfasserin des vorliegenden Beitrags angehört. Siehe insbesondere Magatti 2018b. Zur Feldforschung siehe www.gene- rativita.it. Sozial generatives Handeln: drei Bewegungen
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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