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Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter
Ereignisse unterstellt ist, und ebenso wenig einem unbestimm
ten
Vitalismus, der jede Bedeutung gleichwertig macht, sondern viel-
mehr als jemand, der seiner/ihrer Existenz in Bezug auf etwas ande-
res als sich selbst eine Richtung geben kann.
Das Element der Neuheit, das durch die generative Freiheit in die
Welt gelangt, umfasst die folgenden Bereiche: die expressive, sym-
bolische und relationale Sphäre sowie die Bedeutungen und die so-
zialen Praktiken, die das soziale Leben ausmachen.
In diesem Zusammenhang ist es nicht unerheblich, dass die Zeichen
des Aufkommens neuer Empfindsamkeiten sozialer, ökologischer
und kultureller Art, die von einigen Bürgerprotestwellen hervor-
gebracht wurden, die mit Blick auf die öffentlichen Güter entstan-
den sind – angefangen bei der Ernüchterung gegenüber dem liber-
tarisch-liberalistischen Mythos –, von einem neuen Geist beseelt
sind, der kaum dazu bereit ist, die eben genannten Bereiche hin-
sichtlich der Zukunft für äußerst unerheblich zu erachten.11
Die Erneuerung bildet hier einen Beitrag in Richtung einer pluralen
Gesellschaft, sodass sich das Menschliche als ein Teil dieser Bewe-
gung erkennen kann.
2. Sich kümmern
Auf das Angehen von etwas Neuen folgt der Übergang, sich um das
zu kümmern, was begonnen wurde, damit es in der Zeit fortdauern
kann.
In dieser Bewegung erfährt die Freiheit, dass ihr eigenes relationa-
les Wesen nicht zu Ende geht; und Simmel formuliert hierzu: „Die
Freiheit führt nicht nur bis zur Schwelle der That“ (GSG 4, 222). Sie
fährt in der getroffenen Entscheidung fort: In seinem Handeln hat
sich das Subjekt zu entscheiden, ob und wie es mit dem in Dialog
treten möchte, was es ins Leben ruft und dem es begegnet. Es könnte
sich z. B. auf das Selbstbild konzentrieren, das sich in seinem Tun
widerspiegelt, oder sich dazu entscheiden, das Erschaffene zu be-
herrschen – oder es sich seinerseits frei entwickeln zu lassen.
Das Subjekt investiert in dieser Phase Ressourcen, es sucht immer
neue Wege und Lösungen für die sich bietenden Probleme, es erfin-
11 Man denke hier z. B. an die
sozio-ökonomischen Formen der
Co-economy (Lampugnani 2018).
In der Forschungsliteratur ist eine
einschlägige Untersuchung nach wie
vor diejenige von Porter und Kramer
(2011), die den Begriff des ,shared
value‘ geprägt haben.
Das Subjekt muss sich entscheiden, wie es mit dem in Dialog
treten möchte, was es ins Leben ruft.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 2:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 267
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven