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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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Page - 217 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2

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218 | www.limina-graz.eu Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten stillen, sondern diese letztendlich zwanghaft nähren. Anderseits weist die Erhöhung des gebarrten Subjektes an den Ort des Agens sehr genau auf das Zerbröckeln der orientierenden Kraft des Ideals und der symbolischen Nor- mativität des Gesetzes hin. Sie ist durch die Illusion ersetzt worden, dass es keinen anderen Herrn mehr gibt außer die absolute Freiheit des „reduzier- ten Subjektes“, um es mit einem Ausdruck von Lipovetsky (2007) zu sagen. Wie der Diskurs des Kapitalisten funktioniert Versuchen wir genauer zu rekonstruieren, wie laut Lacan der Diskurs des Kapitalisten funktioniert (vgl. Lacan 1982): A. Die Verbreitung der vom Markt angebotenen Objekte führt zu einem Zustand der permanenten Anregung der Nachfrage. B. Das Objekt trägt ein Heilsversprechen mit sich; das ist seine idola- trisch-fetischistische Natur. C. Diese Heilsverheißung muss sich jedoch als leer erweisen, um jene Zirkularität des Konsums zu produzieren, die zu unterbrechen es eigent lich versprochen hatte. D. Die Leere des Objektes wird durch neue Gadgets ersetzt, die immer wieder neue Mängel beleben, welche dazu bestimmt sind, den Kreis- lauf des Konsums zu überhitzen („bestimmt zu explodieren“). Der Umstand, dass Lacan diese Zirkularität kinetisch „hyperaktiv“ ver- steht, verdient einige weitere Bemerkungen. Diese Hyperaktivität muss in enger Verbindung mit der Inaktivität des großen Anderen gesehen werden, der im Diskurs des Kapitalisten vergessen scheint, weil – wie wir gese- hen haben – jene Schranke fällt, die das Genießen begrenzt, indem sie es verunmöglicht. Wenn die Aktivität des großen Anderen, die, wie wir wis- sen, die eminente Form einer symbolischen Kastration einnimmt (wo es Aktivität des Anderen gibt, trifft das Subjekt auf das Gesetz der Kastrati- on, das in das Menschliche die Dimension des Unmöglichen einführt), so hat die Hyperaktivität, die Lacan dem Diskurs des Kapitalisten zuschreibt, den Niedergang der Aktivität des Anderen als Grundlage. Es ist der Nieder- gang, der in der Formel von der „Verdunstung des Vaters“ nachhallt. Die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten zeigt die Notwendigkeit, dass die Zirkularität, welche sich zwischen Objekt-Fetisch und Objekt-Leere entwickelt, in einem Zustand der ständigen Beschleunigung stattfindet.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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