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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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235 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden beziehungen mit dem Hinweis auf das „Abschmelzen indu strieller Kerne“ und den damit verbundenen Verlust von US-Arbeitsplätzen grundsätzlich in Frage. Obwohl in Meinungsbefragungen eine deutliche Mehrheit der US- Bevölkerung für Freihandel eintritt, akzeptierte mit der Stimme für Trump etwas weniger als die Hälfte der US-Wahlbevölkerung die Einschränkung der wirtschaftlichen Freiheit, Güter dort zu kaufen, wo sie am billigsten sind. Die Erklärung dieser Entscheidung gegen das wirtschaftliche Eigeninter- esse in den US-Wahlzellen im November 2016 bringt neuerdings Politik- wissenschaftler (Mutz 2018) und Ökonomen (Grossman/Helpman 2018; Gennaioli/Tabellini 2018) dazu, neben dem Nutzen aus dem materiellen Güterkonsum auch den psychosozialen Nutzen aus wiederbelebten National- stolz und der Identifikation mit einer sozialen Gruppe, die für das eigene Selbstwertgefühl bedeutsam ist, als entscheidungsrelevant zu sehen. Wie un- ten ausgeführt wird, erzeugen ökonomische und/oder kulturelle Schocks soziale Abstiegsängste und bringen Individuen dazu, sich mit anderen so- zialen Gruppen als bisher zu identifizieren. Materieller Nutzenverlust infol- ge einer Importzollerhöhung wird für den Nutzengewinn aus der Abwehr des Statusverlusts („America great again“) und der Neu-Identifikation mit einer sozialen Gruppe, die nur der eigenen ähnlich ist und sich von einer Fremdgruppe deutlich unterscheidet, akzeptiert. Diese Neuidentifikation hat es Trump ermöglicht, als politischer Unternehmer Anti-Elite-Vorbe- halte („wir“ und „die“) zu schüren (Grossman/Helpman 2018, 20) und die Ängste der weißen unteren US-Mittelschicht (Mutz 2018) vor Statusverlust auszunutzen, um sein Ziel, Präsident zu werden, zu erreichen. Für den Wahlerfolg eines dezidiert protektionistisch auftretenden Präsi- dentschaftskandidaten („I am a tariff man“) war nach Winkler (2017) auch das bis dahin herrschende international-makroökonomische Politikumfeld förderlich. Seit der Freigabe der Wechselkurse Anfang der 1970er-Jahre, der makroökonomischen Angebotspolitik von Reagan und Thatcher und der Li- beralisierung des internationalen Kapitalverkehrs in den 1980er-Jahren war der Spielraum nationaler Fiskalpolitik, negativen Globalisierungsschocks gegenzusteuern, deutlich eingeschränkt. Seit den späten 1980er-Jahren geht es vor allem darum, die internationale Wettbewerbsfähigkeit jedes Lan- des zu erhalten bzw. zu steigern. Das war mit massiven nationalstaatlichen Interventionsmaßnahmen zu Gunsten der Globalisierungsverlierer (der Materieller Nutzenverlust wird für Nutzengewinn aus der Abwehr des Status- verlusts und der Neuidentifikation mit einer sozialen Gruppe akzeptiert.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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