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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
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Page - 175 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2

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175 | www.limina-graz.eu Elisabeth Zissler | Digitale KrĂ€nkung? conditio humana gegenwĂ€rtig vor Herausforderungen stellen, wird mittler- weile auch innerhalb des Fachbereichs der Informatik kritisch betrachtet. Hinterfragt wird etwa, von welchem Menschenbild jene Forscherinnen und Forscher ausgehen, die die digitale Welt programmieren. Von welchen Werten sind sie geprĂ€gt? Welche Ziele verfolgen sie mit der Entwicklung neuer digitaler Technisierungsverfahren? Dazu die Wirtschaftsinformati- kerin Sarah Spiekermann: „[D]ie Menschheit muss zumindest darauf vertrauen können, dass die- jenigen, die Technologien vorantreiben, dies verantwortungsvoll, maß- voll und mit Weisheit im Sinne der menschlichen Gemeinschaft tun. Dies ist jedoch immer weniger der Fall. Stattdessen fĂ€llt auf, dass neue Tech- nologien immer mehr genutzt werden, um Menschen zu ersetzen, statt sie zu stĂ€rken – sie in AbhĂ€ngigkeiten zu treiben und ihren persönlichen Daten zu entfremden. [
] IT-Systeme werden nach wie vor ohne viel Weitsicht entwickelt. Auch wenn [
] eine wachsende Randgruppe des Fachbereichs seit Jahrzehnten [
] darum kĂ€mpft, den Menschen wieder ins Zentrum der Entwicklungsprozesse zu rĂŒcken, arbeiten doch zahl- reiche Kollegen mit einem fragwĂŒrdigen Menschenbild. Seinen Ausdruck findet es in Bezeichnungen, die Informatiker fĂŒr uns Menschen finden. Zum Beispiel ‚DAU‘ (steht fĂŒr: ‚DĂŒmmster anzunehmender User‘, ‚Bug‘ (‚Fehler‘ oder ‚lĂ€stiger KĂ€fer‘).“ (Spiekermann 2019, 157) Wissenschaftler*innen aus demselben Fachbereich plĂ€dieren auch fĂŒr eine umfassende „antikopernikanische Wende“, welche darauf abzielt, „den Menschen wieder zurĂŒck ins Zentrum des technologischen Universums zu stellen“, und weisen zugleich auf die „besondere Verantwortung“ hin, die sich dahingehend fĂŒr die Informatik und vor allem die Informatiker*innen ergibt (Project PANDORA 2020). Vor dem Hintergrund dieser kritischen Reflexionen aus dem Fachbereich der Informatik stellt ein gemeinsamer Aushandlungsprozess ĂŒber das, was wir als Gesamtgesellschaft vom digitalen Zeitalter wollen, ein dringendes Desiderat dar. Die Gestaltung der digitalen Gegenwart und Zukunft obliegt eben nicht nur der Informatik, sondern muss sich ĂŒber alle Fachdisziplinen erstrecken und nicht zuletzt auch auf den Einzelnen ĂŒbertragen. Das Indi- viduum ist dazu herausgefordert, dahingehend Position zu beziehen und Verantwortung fĂŒr die Gestaltung seiner Lebenswelt zu ĂŒbernehmen.1 1 Im Rahmen des vorliegenden Beitrags wird versucht aufzuzei- gen, mit welchen Begriffen in den interdisziplinĂ€r gefĂŒhrten wissen- schaftlichen bzw. gesellschaftlichen Debatten ĂŒber Digitalisierungspro- zesse operiert und reflektiert wird und wodurch, im RĂŒckgriff auf sie, die conditio humana (die Stellung des Menschen in einer IKT-dominierten Welt) herausgefordert wird. Dabei wird nicht auf eine systematische Einordnung der verwendeten Be- griffe abgezielt.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
3:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
270
Categories
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