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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
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176 | www.limina-graz.eu Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung? Digital Turn in Wissenschaft und Gesellschaft Die Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann-Medick listet im Schluss- kapitel ihres Buches Cultural Turns potenzielle kulturwissenschaftliche Wenden auf, die es noch systematisch herauszuarbeiten gilt. Sie erwähnt in diesem Zusammenhang auch den sogenannten „digital oder computa- tional turn“ (Bachmann-Medick 2010, 381–405). Angesichts der vielfältig spürbaren Auswirkungen des digitalen Wandels in Wissenschaft und Ge- sellschaft und der Herausbildung neuer Begrifflichkeiten – so werden etwa die digitalen Transformationsprozesse als „Digitale Revolution“ und der Umgang mit der digitalen Welt als „Vierte Kulturtechnik“ (neben Lesen, Schreiben, Rechnen) beschrieben – lohnt sich eine nähere Auseinander- setzung mit dem Digital Turn. Im kulturwissenschaftlichen Sinn geht es da- bei um eine systematische Reflexion des digitalen Wandels in Wissenschaft und Gesellschaft. Folgt man der Definition von Bachmann-Medick, so ist ein Turn2 durch drei wesentliche Kriterien gekennzeichnet: 1. durch eine Rückgebundenheit an gesellschaftliche Prozesse und kulturelle Umwälzungen, 2. eine disziplinenübergreifende Verortung und 3. durch die Hervorbringung von Schlüsselbegriffen und Analysekate- gorien (vgl. Bachmann-Medick 2010, 7–57). Auch wenn eine umfassende Systematisierung des Digital Turn nach den oben dargelegten Kriterien den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, werden im Folgenden zumindest einige Anhaltspunkte skizziert, die den digitalen Wandel kennzeichnen. Rückgebundenheit an gesellschaftliche Prozesse Die Nutzung von IKT bestimmt die Lebenswelt des Einzelnen sowie der Ge- samtgesellschaft mittlerweile nachhaltig: so etwa die Arbeitswelt aufgrund der Verwendung von IT-Systemen und Robotern, den Bereich der zwi- schenmenschlichen Kommunikation (z. B. durch die Herausbildung neuer Formen sozialer Interaktion, etwa die verstärkte Nutzung von Social Media oder den Einsatz von Social Robotics), den urbanen Raum und die Verkehrs- welt (z. B. durch die Entwicklung autonom funktionierender Städte, soge- nannter Smart Cities, sowie selbstfahrender Verkehrsmittel) oder auch die Art der Wissensverarbeitung und -speicherung. 2 Ein Turn zielt per definitionem nicht darauf ab, ein eindeutig ab- grenzbares Forschungsfeld abzu- bilden. Aufgrund weiterführender Rezeptionen und Analysen innerhalb verschiedener Wissenschaftsdiszi- plinen ist das inhaltliche Profil eines Turn nie gänzlich abgeschlossen. Es bleibt – ebenso wie seine Verortung im Feld der Wissenschaft – stets offen für Ergänzungen, Verdichtun- gen und Nachschärfungen sowie die Aufnahme neuer Perspektiven.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
3:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
270
Categories
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