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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
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181 | www.limina-graz.eu Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung? Anhand von CRISPR/CAS9, der neuen Schlüsseltechnik der Genom-Edi- tierung, ist dies erneut sichtbar geworden (vgl. Schaupp 2018). Auch wenn der Rede von „Kränkungen“ eine narzisstische Selbstüber- höhung des Menschen vorausgeht, die durchaus kritisch gesehen werden kann, lässt sich an diesen verdeutlichen, welche Veränderungen das Men- schenbild die Geschichte hindurch durchlaufen hat. Dies trifft auch auf die fünfte, die sogenannte digitale Kränkung zu, ausgelöst durch die Entwick- lung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, wodurch unsere gegen- wärtige Lebenswelt nachhaltig geprägt wird. Die digitale Kränkung Digitale Transformationsprozesse in Wissenschaft und Gesellschaft wer- den im Folgenden als „Kränkung“ im Selbstverständnis des Menschen reflektiert. Doch worin genau besteht diese „Kränkung“ eigentlich? Im Nachfolgenden werden dahingehend drei Aspekte reflektiert, womit jedoch kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann. Dem Menschen wird die „Würde des Denkens“ genommen Im Fall der digitalen Kränkung wird die Künstliche Intelligenz der mensch- lichen Intelligenz im Sinne eines gegenseitigen Kräftemessens gegenüber- gestellt. Gefragt wird, wer in diesem „Kampf“ den anderen übertrifft und schließlich als Sieger hervorgeht. Im Zuge dieser Auseinandersetzung werden Belege angeführt, aus denen hervorgeht, dass das menschliche Gehirn nicht so leistungsstark sei wie je- nes von mit KI ausgestatteten Maschinen. Als Beispiele dafür können etwa die denkwürdigen Schlagzeilen „IBM Computer Deep Blue schlug Garry Kasparow“ (Fischer 2016) oder aus jüngerer Vergangenheit „Alpha Go: Google-Software gewinnt gegen Go-Weltmeister“ (ZEIT online 2016) an- geführt werden. Dabei ist die Frage zu stellen, in welcher Hinsicht die KI die menschliche Intelligenz in den eben angeführten Beispielen übertrifft. Wird dem Menschen durch diese Niederlagen die „Würde des Denkens“3 als das, was Menschsein konstituiert, genommen? Kräftemessen zwischen menschlicher und Künstlicher Intelligenz 3 „Die ganze Würde des Menschen besteht im Denken, doch was ist dieses Denken? Wie töricht ist es? Das Denken ist also seinem Wesen nach etwas Bewundernswertes und Unvergleichliches. Es müßte schon sonderbare Fehler haben, um ver- ächtlich zu sein, doch es hat ja der- artige Fehler, daß es nichts Lächer- licheres gibt. Wie ist es durch sein Wesen erhaben, wie ist es durch sei- ne Fehler niedrig!“ (Pascal 2019, 21)
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
3:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
270
Categories
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