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Viera Pirker | „#monthoftherosary“. Theologische Rekonstruktion zu einem Instagram Image
purse was stolen. Prayed the rosary with the intention of alleviating my moth-
er’s stress. Miraculously, a police officer called from S. C. called saying her purse
was recovered with all belongings inside!“). Sechs Kommentare beziehen sich
unspezifisch auf den gesamten Post. Vier Personen nutzen die Kommen-
tarfunktion zu dem Bild, um sich nach virtuellen Rosenkranzgruppen zu
erkundigen, die die Accountbetreiberin im Sommer 2018 ins Leben geru-
fen hat, folgen damit also keiner Proposition aus diesem konkreten Insta-
gram-Image, sondern beziehen sich auf deutlich ältere Interaktionen und
Anregungen des Accounts. Während auf einer Bildplattform eigentlich da-
mit zu rechnen wäre, dass auch das Bild ausdrücklich kommentiert wird,
sind überraschend viele Kommentare der Textebene und dem Hauptthema
des Accounts zuzuordnen. Umso stärker fällt der Kommentar K16 auf, der
ausdrücklich auch auf das Foto Bezug nimmt: „angelic photo! I love the ro-
sary, it is balm to my soul.“ Die Accountbetreiberin selbst reagiert auf keinen
einzigen Kommentar.
Relationierung der Elemente zueinander
Wo zeigen sich in der Zusammenführung der verschiedenen Elemente Pa-
rallelen, wo entstehen Spannungen? Die Fotografie drückt in Farbgebung,
im symmetrischem Aufbau der szenischen Choreografie und in der beson-
deren Pose der beiden Frauen eine äußere Balance aus, die sich auf die in-
nere Balance der abgebildeten Bildproduzentinnen und auf die Wahrneh-
mung der Bildrezeption ausbreitet. Die inszenierte Alltagsenthobenheit
des Bildes erzeugt Sorglosigkeit, Entspannung, Meditation und Beziehung.
Die in der szenischen Choreografie und Farbgebung latent vorhandenen
bedrohlichen Elemente werden durch die überwiegend positiven Bild-
wahrnehmungen überdeckt. Die Engelhaftigkeit der Pose hebt die Frauen
schwebend über den Alltag hinaus, in eine eingehegte, sichere, doch kör-
perlos stattfindende Existenz. Diese Dimension des Bildes wird in der Bild-
unterschrift nicht inhaltlich, aber auf der Ebene der Bedeutung voll ein-
geholt. Hingegen nehmen weder der rahmende Text noch die erzählte
Geschichte expliziten Bezug auf das Bild. Plattformtypisch erfolgt im Text
eine direkte Ansprache der Follower_innen mit konkreten Handlungsauf-
forderungen. Im rahmenden Text fokussiert die Autorin die Gebetspraxis,
Wo zeigen sich in der Zusammenführung der verschiedenen
Elemente Parallelen? Wo entstehen Spannungen?
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven