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Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug?
bleme lösen, und sie würden an denselben Fragen scheitern. Die Maschine
arbeitet nur schneller und ist insofern in der Lage, eine unüberschaubar
größere Menge von Rechnungen in absehbarer Zeit zu verarbeiten (vgl.
Zweig 2019, 42; 78).
Ein Algorithmus kann also nie qualitativ Höheres leisten, sondern arbeitet
bestenfalls quantitativ mehr und schneller als der Mensch. Dies ist mitun-
ter schlicht der Tatsache geschuldet, dass Algorithmen, wie oben erwähnt,
lediglich Handlungsanweisungen sind, die klar definierte Probleme lösen
sollen. Begrifflich können spezielle Algorithmen in den gängigen Begriff
„Künstliche Intelligenz“ hineinfallen, da sie zwischen einer konkreten
Fragestellung und einer gewünschten Lösung den günstigsten Weg ermit-
teln (vgl. Zweig 2019, 50) oder sogar Voraussagen treffen können. Letz-
tere prädikative Algorithmen kommen beispielsweise in der Autokorrek-
turfunktion von Smartphones zur Anwendung (vgl. Fry 2020, 224–225).
Das geschieht, indem Informatiker:innen ein mathematisches Problem
so lange formalisieren, bis es eindeutig ist, und sodann einen Algorith-
mus schreiben, der die Rechnung für alle möglichen Dateneingaben stim-
mig macht (vgl. Zweig 2019, 71–73). Verschiedene Algorithmen werden zu
einem Rahmensystem modelliert, die Ergebnisdaten müssen dann auch
noch interpretiert werden. Was für das Beethoven-Projekt gilt, geschieht
bei jeder Digitalisierung: Programmierer:innen legen a priori Ausgangs-
punkt und Lösung des Problems in einem Modell fest. Im konkreten Fall
stellen die überlieferten Notenskizzen den Ausgangspunkt dar. Informa-
tionen zu Harmonielehre oder Stil bilden zusätzlichen Dateninput, den der
Algorithmus verarbeitet. Woher aber bekommt diese „Künstliche Intelli-
genz“ den Endpunkt?
Konkret: Ist der Ausgangspunkt im Beethoven-Algorithmus – die Noten-
skizzen – auch klar, so stellt sich doch die Frage, wo die Künstliche Intel-
ligenz ihren Endpunkt herbekommt. Was ist das für ein „Beethoven“, den
die Maschine produziert hat? Im Falle des Projektes, welches auf Algorith-
men zur „Vollendung“ des Musikstückes setzt, sind es die Vorstellungen
der beteiligten Wissenschaftler:innen, anhand derer festgelegt wird, ob das
Ergebnis des maschinellen Prozesses ein plausibles ist (vgl. Deutsche Tele-
kom AG 2019). Sollte dies verneint werden, wird der Datensatz angepasst,
das neue Ergebnis evaluiert und angenommen oder eben wieder verworfen.
Programmierer:innen legen Ausgangspunkt und Lösung eines
Problems fest. Der Algorithmus ermittelt den günstigsten Weg.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven