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Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug?
die Einordnung ihrer Tätigkeit verwehrt. Dabei ist hier beim Menschen
noch nicht Schluss. Der Mensch ist in der Lage, sich über die Frage „Wofür
mache ich das?“ einen Sinn zu erschließen, der bloße Kausalitäten über-
steigt; mehr noch, es ist ihm sogar möglich, seinen Handlungen einen Sinn
zu geben.
Trotz oder gerade wegen dieser Diskrepanzen stellt sich umso mehr die
Frage, inwieweit solche Maschinen nun letztendlich auch die Befähigung
erlangen, nicht nur eingeschränkt kreativ zu sein, sondern Kunst zu schaf-
fen.
Der Maschine fehlen für die Kunst notwendige Eigenschaften
Es wurde ersichtlich, dass die Maschine schon aufgrund der Art und Weise
ihrer Konstruktion nicht in der Lage sein kann, gewisse menschliche Voll-
züge zu kopieren. Der Maschine wird stets eine Erfahrungsdimension feh-
len, die den Menschen in jeder kreativen Tätigkeit ausmacht und voran-
schreiten lässt. Die Maschine hingegen arbeitet lediglich Rechenmöglich-
keiten ab. Was ist es also, das den Menschen in diesem Fall die Maschine
übersteigen lässt? Das, was der Mensch im Sinne Benjamins in der Kunst
konkretisiert, also seine Wahrnehmung, ist eine andere Erfahrung, als
sie die Maschine machen könnte. Diese Konkretisierung des Menschen in
einem „Etwas“ macht die Kunst und im Speziellen das Kunstwerk aus.
Bei der Maschine sind die möglichen Erfahrungen nicht mehr als geschei-
terte oder geglückte Anwendungsfälle der rechnerischen Operation, aus
denen dann der günstigste Fall, oder der wahrscheinlichste, errechnet wird.
Unzweifelhaft ist der Mensch selbst auch begrenzt. Beispielsweise sind ihm
durch seine eigene Endlichkeit natürliche Grenzen gesetzt. Das Besonde-
re des Menschen ist aber, dass er gerade aufgrund dieser Grenzen zu Er-
fahrungen befähigt ist, die seine Begrenztheit übersteigen (vgl. Sirovátka
2012, 7). Das liegt unter anderem daran, dass ihm seine Erfahrungen nicht
nur als mechanische Eindrücke, die verarbeitet werden müssen, zukom-
men, sondern dass ihm seine Sinneseindrücke als Subjekt widerfahren. Die
Maschine hingegen kann, im Rahmen der ihr gegebenen Gesetzmäßigkei-
ten, gar nicht scheitern. Der Mensch macht Erfahrungen, die ihn in seinem
Der Mensch macht Erfahrungen, die ihn in seinem
ganzen Seinsvollzug beeinflussen und berühren.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven