Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Zeitschriften
LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Page - 232 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 232 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2

Image of the Page - 232 -

Image of the Page - 232 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2

Text of the Page - 232 -

232 | www.limina-graz.eu Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug? ganzen Seinsvollzug, als Individuum und Person gleichermaßen, beein- flussen und berühren. Diese Erfahrungen sind dabei nicht konkret mess- bar, aber nichtsdestoweniger ausschlaggebend für das kreative Moment des Menschen selbst (vgl. Heinrich 2003, 17). Die Erfahrung wird durch die Ein ordnung des Menschen in seinen Seinsvollzug ein Element, das einen Transzendenzbezug öffnet. Trotz aller kulturellen und persönlichen Präfe- renzen ist der Mensch, aufgrund der ihm immanenten Freiheit, beispiels- weise in der Lage, Schönheit in Seiendem zu finden, die seinen „Para- metern“ widerspricht. Was macht also diese menschliche Freiheit aus? Die Möglichkeit zur Freiheit ist überhaupt nur dann gegeben, wenn die Handlung in eigener Spontanität erfolgen kann. Diese Spontanität erfor- dert wiederum ein Ich, ein Subjekt, das nicht nur Empfänger fremder Wil- lensimpulse ist. Mit der Instrumentalisierung oder dem Zwang unter einen Imperativ wird bereits die Freiheit der Selbstverfügung genommen (vgl. Thielcke 1964, 56). Die Maschine kann also schon alleine deswegen nie- mals Kunst schaffen, wie es Beethoven getan hätte, weil sie in ihrer Konsti- tution dem Imperativ unterliegt, Notenfolgen zu erstellen und dabei einem konkreten Datensatz zu folgen. Die Freiheit hat aber noch mindestens einen weiteren wesentlichen Aspekt. Freiheit kann sich nur dann entfalten, wenn sie auch auf die Selbstverwirk- lichung bezogen ist (vgl. Thielcke 1964, 57). Dass Freiheit und Person eine tiefgehende Verbindung miteinander haben, formulierte auch Edith Stein. Sie versteht dabei unter Person „das bewusste und freie Ich“ (Brasser 1999, 129; vgl. bes. auch Stein 1986). Dabei bezeichnet diese Freiheit jene freien Akte, mit denen das eigene Leben gestaltet wird. Durch das freie Tun hat die Person einen gestaltenden Einfluss auf sich selbst (vgl. Brasser 1999, 129). Was der Mensch als „freie Person“ zu tun vermag, das zeigt sich erst im Vollzug, also dann, wenn er es tut (vgl. Brasser 1999, 130). Hinsichtlich der Erfahrungen, die ein Subjekt machen kann, ist nach Steins Einführung in die Philosophie auch die Art und Weise, wie sich die Person zusammensetzt, zu beachten. Die Person eines Subjekts hängt unmittelbar an dessen Seele und dem Leib. Dieser Leib ist dabei aber nicht nur der rei- ne Körper und dessen Ausdehnung im dreidimensionalen Raum (vgl. Stein 1991, 135), sondern auch an das Subjekt gebunden. Die Empfindungen die- ses Leibes und die Empfindnisse, also nicht-leibliche Eindrücke von außen, Freiheit kann sich nur entfalten, wenn sie auf Selbstverwirklichung bezogen ist.
back to the  book Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2"
Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
3:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
270
Categories
Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Limina