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Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug?
ganzen Seinsvollzug, als Individuum und Person gleichermaßen, beein-
flussen und berühren. Diese Erfahrungen sind dabei nicht konkret mess-
bar, aber nichtsdestoweniger ausschlaggebend für das kreative Moment
des Menschen selbst (vgl. Heinrich 2003, 17). Die Erfahrung wird durch die
Ein ordnung des Menschen in seinen Seinsvollzug ein Element, das einen
Transzendenzbezug öffnet. Trotz aller kulturellen und persönlichen Präfe-
renzen ist der Mensch, aufgrund der ihm immanenten Freiheit, beispiels-
weise in der Lage, Schönheit in Seiendem zu finden, die seinen „Para-
metern“ widerspricht. Was macht also diese menschliche Freiheit aus?
Die Möglichkeit zur Freiheit ist überhaupt nur dann gegeben, wenn die
Handlung in eigener Spontanität erfolgen kann. Diese Spontanität erfor-
dert wiederum ein Ich, ein Subjekt, das nicht nur Empfänger fremder Wil-
lensimpulse ist. Mit der Instrumentalisierung oder dem Zwang unter einen
Imperativ wird bereits die Freiheit der Selbstverfügung genommen (vgl.
Thielcke 1964, 56). Die Maschine kann also schon alleine deswegen nie-
mals Kunst schaffen, wie es Beethoven getan hätte, weil sie in ihrer Konsti-
tution dem Imperativ unterliegt, Notenfolgen zu erstellen und dabei einem
konkreten Datensatz zu folgen.
Die Freiheit hat aber noch mindestens einen weiteren wesentlichen Aspekt.
Freiheit kann sich nur dann entfalten, wenn sie auch auf die Selbstverwirk-
lichung bezogen ist (vgl. Thielcke 1964, 57). Dass Freiheit und Person eine
tiefgehende Verbindung miteinander haben, formulierte auch Edith Stein.
Sie versteht dabei unter Person „das bewusste und freie Ich“ (Brasser 1999,
129; vgl. bes. auch Stein 1986). Dabei bezeichnet diese Freiheit jene freien
Akte, mit denen das eigene Leben gestaltet wird. Durch das freie Tun hat die
Person einen gestaltenden Einfluss auf sich selbst (vgl. Brasser 1999, 129).
Was der Mensch als „freie Person“ zu tun vermag, das zeigt sich erst im
Vollzug, also dann, wenn er es tut (vgl. Brasser 1999, 130).
Hinsichtlich der Erfahrungen, die ein Subjekt machen kann, ist nach Steins
Einführung in die Philosophie auch die Art und Weise, wie sich die Person
zusammensetzt, zu beachten. Die Person eines Subjekts hängt unmittelbar
an dessen Seele und dem Leib. Dieser Leib ist dabei aber nicht nur der rei-
ne Körper und dessen Ausdehnung im dreidimensionalen Raum (vgl. Stein
1991, 135), sondern auch an das Subjekt gebunden. Die Empfindungen die-
ses Leibes und die Empfindnisse, also nicht-leibliche Eindrücke von außen,
Freiheit kann sich nur entfalten, wenn sie
auf Selbstverwirklichung bezogen ist.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven