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Chiara Zuanni | Heritage in a digital world
| BIOGRAPHY Chiara Zuanni is a tenure-track assistant professor in Digital Humani-
ties, museology-focused, at ZIM-ACDH (University of Graz). She studied
in Bologna (BA and MA) and in Manchester (PhD), and has worked at the
University of Liverpool and the Victoria and Albert Museum, London. Her
research focuses on data practices and digital media in the heritage sec-
tor, on social media and digital cultures in memory institutions, and on the
mediation of knowledge in museums.
E-Mail: chiara.zuanni@uni-graz.at
| KEY WORDS contemporary collecting; Critical Heritage Studies; digital heritage; muse-
ums; posthumanism; social media
Der Beitrag fragt nach dem Wert genuin digitalen Erbes, insbesondere nach dem
Einfluss digitaler Daten als Erbobjekte auf Museumspraktiken und Praktiken zur
Erhaltung des Erbes. Digitale Technologien sind heutzutage zutiefst in menschli-
che Kommunikation und Sozialbeziehungen eingebettet. Wenn nun Erbe als So-
zialkonstrukt betrachtet wird, das in der Interaktion von Menschen mit Objekten
und Orten entsteht, stellt sich die Frage, wie die Algorithmen, die diese mensch-
liche Erfahrung mitgestalten, auch den Wert dieses Erbes beeinflussen. Die Cha-
rakteristika der Online-Plattformen, von Webseiten bis zu sozialen Medien, prä-
gen die Art und Weise, wie Erbe in Online-Interaktionen konstruiert, diskutiert
und gewertet wird. Der Beitrag untersucht daher zunächst die Wissenskonstruk-
tion ĂĽber Erbe in der digitalen Welt, indem mit Bezug auf posthumanistische An-
sätze das Ineinander menschlicher und technologischer Prozesse, die die Pro-
duktion zeitgenössischen Erbes bestimmen, analysiert wird. In einem zweiten
Schritt wird eruiert, inwiefern Big Data und die Anwendung von Algorithmen
Grenzziehungen im Bereich von Erbkonzepten unsicher machen, etwa die Grenze
zwischen Repräsentation und Simulation. Dabei will der Beitrag die Rolle dieser
nicht-menschlichen Akteure in der Produktion zeitgenössisches Erbes und sei-
ner Wertzuschreibung hinterfragen. Abschließend werden die Möglichkeiten der
Archivierung, Analyse, Erhaltung, Wiederherstellung und Präsentation genuin
digitalen Erbes als Teil digitaler Sammlungsprojekte thematisiert. Es wird ar-
gumentiert, dass derartige Interaktionen sowohl die Generierung neuer sozialer
Werte bezĂĽglich bestehender Artefakte als auch die Konstruktion neuen Erbes im
21. Jahrhundert beeinflussen. Durch das Einbeziehen posthumanistischer Ansät-
ze auf digitales Erbe werden neue Grenzen zwischen kulturellem und digitalem
Erbe wie auch die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen erkennbar.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven