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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:2
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196 | www.limina-graz.eu Kurt Remele | Ein Fisch namens Jesus bezeichnet Augustinus das auf dem Feuer liegende Brot als Zeichen für den vom Himmel herabgekommenen Jesus, er erkannte jedoch auch im Fisch ein Symbol für Christus: „Der gebratene Fisch ist der leidende Christus.“ (Augustinus 1914, 123. Vortrag, 372) Im frühen Christentum wurde der Fisch dann auch tatsächlich als Chris- tussymbol verwendet (vgl. Engemann 1995, 1306; Kaiser 2010), einerseits deshalb, weil damit an Jesu Speisung der Fünftausend mit Brot und Fisch erinnert wurde, andererseits aber höchstwahrscheinlich deshalb, weil die griechischen Anfangsbuchstaben der Wortfolge „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser“ den Begriff „Ichthys“, das griechische Wort für „Fisch“, ergeben (Akronym oder Akrostichon). Den verfolgten Urchristen diente das Fischsymbol als geheimes Erkennungszeichen. Heute findet das Fisch- symbol vor allem in evangelikalen Kreisen als bekenntnishafter Autoauf- kleber Verwendung. Vom Mönchtum verbreitete Ideale sexueller Reinheit sind ein weiterer Grund dafür, dass der Verzehr von Fischen an Fasten- und Abstinenztagen gestattet war. Man meinte, als kaltblütige (wechselwarme) Tiere würden Fische den menschlichen Organismus nicht so stark „erhitzen und erre- gen“ (Fastenspeisen 1886) wie das Fleisch von Warmblütern. Aus der irr- tümlichen biologischen Annahme, dass sich Fische ungeschlechtlich, ohne männliche Befruchtung des weiblichen Eies, fortpflanzen würden, schloss man, dass Fische „reine“ Tiere seien (vgl. Grumett/Muers 2010, 85) Wie Fische sich vermehren All die Theologen und Heiligen, Einsiedler und Jungfrauen, die Fische für Vorbilder und Symbole sexueller Reinheit hielten, irrten sich gewaltig. Fische haben Sex und das in vielen Varianten. In seinem ungemein infor- mativen Buch What a Fish Knows stellt der US-amerikanische Verhaltens- biologe Jonathan Balcombe fest: „Es gibt promiskuitive Fische, polygame und monogame.“ (Balcombe 2016b, 181; Übersetzung K. R.) Es gibt Fisch- arten, bei denen die Männchen die Eier des Weibchens mittels Penetration befruchten, und andere, die Eier und Spermien zur sogenannten äußeren Befruchtung ins Wasser abgeben. Die meisten Fische sind ihre Leben lang entweder männlich oder weiblich. Es gibt aber auch Fische, die ihr Ge- „Der gebratene Fisch ist der leidende Christus.“
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
4:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2021
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
214
Categories
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