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Mauthausen und die nationalsozialistische Expansionsund Verfolgungspolitik, Volume 1
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181Nationalsozialistische Terrorstätten | die Grundlage dafür gelegt : zum einen das kurz nach Kriegsende zusammengestellte Haftstättenverzeichnis des International Tracing Service (ITS) Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-Occupied Territories (CCP), das eine Auflistung der nationalsozialistischen Lager bietet, sowie die Arbeit von Gudrun Schwarz «Die natio- nalsozialistischen Lager» aus dem Jahr 1990.4 Letztere stellt den ersten wissenschaftli- chen Versuch dar, einen Gesamtüberblick über die nationalsozialistischen Haftstätten zu geben und Lagertypen zu definieren. Die Ergebnisse von Gudrun Schwarz zeigen jedoch, dass der Begriff «Lager» im Grunde unzureichend ist, wenn man die Stätten der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung beschreiben und analytisch fassen will. Denn das Wort «Lager» bezeichnet ja eine  – zumindest provisorische  – Unterkunft, einen Ort, der zwar transitorischen Charakter hat, aber gleichwohl durch eine gewisse Dauer und Stabilität gekennzeichnet ist. Viele Stätten nationalsozialisti- scher Massenverbrechen weisen dieses Kennzeichen jedoch nicht auf. Es handelt sich vielmehr um Plätze, an denen die Opfer sofort und auf der Stelle ermordet wurden, ohne dass es einer Unterkunft, eines Lagers im eigentlichen Sinne bedurft hätte. Zu denken ist etwa an die Orte, an denen Massaker oder Pogrome stattfanden, an Erschie- ßungsplätze oder an die Mordstätten der «Aktion Reinhardt» wie Bełżec, Treblinka oder Sobi bór. Hier fanden die Verfolgten sofort und unmittelbar den Tod. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, wird hier statt «Lager» oder «Zwangslager»5 der Begriff der «nationalsozialistischen Terrorstätte» verwandt. Dieser ist weit genug, um mög- lichst viele (wenn auch nicht alle6) Orte zu umfassen, die für die nationalsozialistische Exklusions- und Vernichtungspolitik typisch waren  – wie etwa Lager, Ghetto, Erschie- ßungsplatz oder Vernichtungsstätte. Der Begriff schließt die «Lager» explizit mit ein, ohne jedoch auf sie beschränkt zu sein. Er verweist zudem darauf, dass es sich um Stätten der Ausbeutung, Exklusion und/oder Vernichtung handelt, die das NS-Regime ausschließlich zu diesen Zwecken errichtete, die nichts außer diesen Funktionen zu er- füllen hatten. Dies unterscheidet die NS-Terrorstätten etwa von den Gefängnissen und den Psychiatrieanstalten, in denen die «Euthanasie» durchgeführt wurde. Gefängnisse und Psychiatrieanstalten bestanden zum Ersten lange vor dem NS-Regime und sie be- 4 Martin Weinmann (Hg.) : Das nationalsozialistische Lagersystem (CCP), Frankfurt a.  M. 31998 [1990] ; Gudrun Schwarz : Die nationalsozialistischen Lager, Frankfurt a.  M./New York 1990. Zum Lagerkatalog des ITS vgl. Dan Stone : The Memory of the Archive. The International Tracing Service and the Construc- tion of the Past as History, in : Dapim. Studies on the Holocaust 31.2 (2017), S. 69–88, insbes. 76. 5 Der Begriff «Zwangslager», der seit einiger Zeit in der Forschung benutzt wird  – vgl. z. B. Janine Doerry et  al. (Hg.) : NS-Zwangslager in Westdeutschland, Frankreich und den Niederlanden. Geschichte und Erinnerung, Paderborn et  al. 2008  –, umfasst aus demselben Grund nicht die Art und Weise, wie ein Teil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in die Tat umgesetzt wurde. Zudem ist der Begriff «Zwang» nicht angemessen oder hinreichend, wenn das Thema Genozid behandelt wird. 6 Die Grenze des Begriffs «Terrorstätte» ist freilich dann erreicht, wenn nicht mehr an einem definierten Ort gemordet wurde, sondern in Bewegung. Zu denken ist etwa an den «Transport» ins Lager, den viele Opfer nicht überlebten, an die «Todesmärsche» aus den KZ bei deren Auflösung kurz vor Ende des Krie- ges oder an die Gaswagen, die nichts anders waren als mobile Gaskammern. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Mauthausen und die nationalsozialistische Expansionsund Verfolgungspolitik Volume 1
Title
Mauthausen und die nationalsozialistische Expansionsund Verfolgungspolitik
Volume
1
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Heinrich Berger
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21217-1
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
426
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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