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Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 255 -
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255Wege der Slowenen nach Mauthausen | gegenüber den Slowenen versuchte auch Italien das annektierte Gebiet um Ljubljana zu italienisieren, damit es nicht nur durch die formale Annexion, sondern auch durch eine veränderte ethnische Struktur und Kultur italienisch werden würde. Überzeugt von der Überlegenheit der italienischen Kultur (Italianità) sollte diese schnell die als minderwertig empfundene slowenische Kultur übertrumpfen.35 Dazu beitragen sollten zahlreiche Kulturveranstaltungen, Gastspiele italienischer Künstler, die Betonung der italienischen Kultur in den Medien, die Einführung ita- lienischer und faschistischer Feiertage, das Studium von Slowenen in italienischen Städten, Italienischunterricht in den Schulen  – in der Verwaltung und in der Öffent- lichkeit war Zweisprachigkeit erlaubt  –, vor allem aber die Einführung faschistischer Organisationen und eines korporativen Systems und die Ansiedelung von Italienern. Wichtige Funktionen im Verwaltungsapparat wurden schrittweise von italienischen Beamten übernommen. In der Zwischenzeit bis zur vollkommenen Integration sollte im Gebiet von Ljubljana ein besonderes Statut gelten. Die Bewohner erhielten die italienische Staatsbürgerschaft ; aus mangelndem Vertrauen in die Zuverlässigkeit der slowenischen Bevölkerung wurden jedoch Männer nicht in die italienische Armee eingezogen. Trotz der «weichen» Besatzungspolitik der Italiener und der Kollaboration eines großen Teils der bürgerlichen Eliten  – auch wegen deren Ablehnung des Machtan- spruchs der Kommunisten  – wuchs die Widerstandsbewegung auch in der Provincia di Lubiana und hatte ihr Zentrum in Ljubljana. Mitte Jänner 1942 erklärte Mussolini die gesamte Provinz zur (militärischen) Operationszone. Zur Bekämpfung des politi- schen und militärischen Zentrums des Widerstandes in Ljubljana wurden in der ersten Jahreshälfte 1942 um die Stadt herum ein Stacheldrahtzaun und ein mit Artillerie be- stücktes Bunkersystem errichtet, um die Verbindungen der Partisanen zwischen Stadt und Land zu kappen. Außerhalb der Stadt gab es noch einen zusätzlichen Ring von Stützpunkten, der von slowenischen Dorfwehren (Vaške straž) besetzt war. Die Stadt war  – mit der Ausnahme von ein paar Tagen nach dem Abgang der Italiener und dem Kommen der Deutschen im Herbst 1943  – 1170 Tage umringt. In systematisch durchgeführten Razzien wurden Zehntausende Menschen kontrol- liert und Verdächtige verhaftet. Verdächtig waren vor allem junge Männer, aber auch Alte, Frauen und Kinder wurden verhaftet. Etwa 40.000 Personen kamen in italieni- sche Konzentrationslager, von denen etwa 7000 an Krankheiten, Unterernährung und Misshandlungen starben.36 Das schlimmste dieser Lager befand sich auf der Insel Rab ; in diesem starben unter anderem zwischen Juli und November 1942 104  Kinder. Auf- 35 Vgl. Rolf Wörsdörfer : Krisenherd Adria 1915–1955. Konstruktion und Artikulation des Nationalen im italienisch-jugoslawischen Grenzraum, Paderborn et  al. 2004, S. 354 f. 36 Jozo Tomasevich : War and Revolution in Yugoslavia, 1941–1945, Vol. 2 : Occupation and Collaboration, Stanford 2001, S. 103 f. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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