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Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 354 -
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Page - 354 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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354 | Imke Hansen «Aus dem Dorfsowjet sind sie gekommen, aus der Uprawa.47 Sie nahmen die Ausweise mit und sagten, wir sollten morgen um sieben Uhr in der Uprawa erscheinen. Und wir nahmen einen Napf mit, nahmen Kleider mit. Na, sie hatten gesagt, wir würden we-wegfa/ wegfahren, zum Arbeiten. Am Morgen gingen wir, die Ausweise hatten sie uns abgenommen, gingen wir zur Uprava, am Morgen.»48 Allerdings wurden nicht alle Menschen von ihrer bevorstehenden Deportation in Kenntnis gesetzt. Die ehemalige «Ostarbeiterin» bei Volkswagen Ekatarina Krikliwez erzählte : «Und wir sind schon nach Deutschland abtransportiert worden, buchstäblich im Nachthemd. Was die Mutter noch schnell in den Koffer stopfen konnte, gab sie uns mit, damit wir uns wenigstens etwas anziehen konnten. Ja. Und erst im Zug, erst in den Waggons konnten wir uns anziehen.»49 Die Kollaboration der ukrainischen Verwaltungsoberhäupter bei der Zwangsrekrutie- rung war unübersehbar. Krikliwez berichtet über den lokalen Dorfältesten : «Als es darum ging, wer nach Deutschland sollte, das hat er bestimmt. Und die Mutter hat geweint : ‹Nicht, nicht !› Aber er sagt : ‹Ich kann nicht anders.› […] Aber sie haben/ der Dorf- älteste hat gesagt : ‹Sie nehmen euch jetzt mit, ihr arbeitet dort ein Jährchen und seid dann wieder da.›»50 Gerade zu Beginn der Zwangsrekrutierungen gewährte die ukrainische Verwaltung der Bevölkerung ein gewisses Mitspracherecht, wie beispielsweise im Dorf der im Mai 1942 deportierten Anna Basarab : «Und sie haben gesagt : Wer eine große Familie hat, muss/ Wer will  – einen brauchen sie. So als eine Art Entgegenkommen  – von den Dings, den Vorsitzenden bei uns. Und ich sage : ‹Mama, ich fahre. Ich bin couragiert und weiß was. Ja. Aber was werden die Mädels da.› Und die Mutter : ‹Ach, wo wirst du bloß hinkommen !› Ich sage : ‹Wie denn sonst ? Die Mädels haben keine Ahnung von nichts.› Und ich war ja eine ganz Couragierte. [Lächelt.] Ja. Das war 1942.»51 47 Uprawa war bis 1917 die russische Bezeichnung der Ortsverwaltung, die unter der deutschen Besatzung  – anstelle der Dorfsowjets  – wieder eingeführt wurde. 48 AMM, MSDP, OH/ZP1/854, Interview Gritschenko, Z. 239–244. 49 AMM, MSDP, OH/ZP1/479, Interview mit Ekaterina Wassiljewna Krikliwez, Interviewerin : Alena Koslowa, Saporoschje, 27. 9. 2002, Übersetzung, Z. 502–505. 50 Ebd., Z. 532–539. 51 AMM, MSDP, OH/ZP1/268, Interview mit Anna Arsentewna Basarab, Interviewerin : Alena Koslowa, Datschne, 10. 7. 2002, Übersetzung, Z. 189–195. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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