Page - 380 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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380 | Doris Felsen und Viviana Frenkel
lienischen Gegenden befanden und dort verhaftet wurden. Etliche der Ăśberlebenden
gehörten Widerstandsgruppen an, die in Ober- und Mittelitalien aktiv waren (Piemont,
Lombardei, Venetien, Friaul, Ligurien, Toskana). Vertreten ist auch eine hohe Zahl von
Fabrikarbeitern (vor allem aus dem IndustriegĂĽrtel rund um Mailand), die aufgrund
ihrer Beteiligung an den Märzstreiks 1944 verhaftet wurden.
Innerhalb dieser Ăśberlebenden kann man auch die verschiedenen Arten des Wider-
stands gegen die italienische Sozialrepublik und die deutsche Besatzung ausmachen.
Einige unterstĂĽtzten aktiv den bewaffneten Widerstand durch konkrete und logistische
Beihilfe : Man denke an den Architekten Lodovico Barbiano di Belgiojoso (1909–2004)
aus der Nähe von Mailand, der für den Widerstand topografische Karten anfertigte,
oder an den Vater von Marcello Martini und an Marcello (Jahrgang 1930) selbst, die
für einen Untergrundradiosender in der Toskana tätig waren. Andere wiederum ver-
steckten sich in den Berggebieten und kämpften in organisierten bewaffneten Gruppen.
Diese Gruppe der «politischen» Häftlinge ist daher sehr vielfältig, man findet darin
die verschiedensten sozialen und beruflichen HintergrĂĽnde : Fabrikarbeiter, Handwer-
ker, Studenten, Akademiker, Freiberufler etc. Unter ihnen befinden sich auch einige
Persönlichkeiten, die in der Nachkriegszeit eine erhebliche Rolle in der italienischen
Politik spielten, wie Raimondo Ricci (1921–2013), Gianfranco Maris (1921–2015), Al-
berto Todros (1920–2003) oder Italo Tibaldi (1927–2010).8
Andere hingegen wurden aus verschiedenen GrĂĽnden verhaftet und nach Maut-
hausen deportiert, beispielsweise Liliana Soppa (1923–2012) und Luigi Valenzano
(1920–2011) als Familienangehörige zweier Persönlichkeiten, die bei den Deutschen in
Ungnade gefallen waren : Bei Ersterer handelt es sich um Galeazzo Ciano, den Schwie-
gersohn Mussolinis, der 1943 fĂĽr dessen Absetzung stimmte und dafĂĽr hingerichtet
wurde, bei Letzterem um Pietro Badoglio, den General des Waffenstillstands mit den
Alliierten. Diese Gefahren bringende Verwandtschaft bezahlten sie teuer durch Verhaf-
tung und Deportation.
Auch wenn der GroĂźteil der aus Italien nach Mauthausen Deportierten in die
Kate gorie der «Politischen» fällt (bis auf einige in den Interviews erwähnte Fälle von
Homo sexuellen und «Kriminellen»), so kamen auch Juden nach Mauthausen, vor
allem aufgrund der Evakuierung anderer Lager, insbesondere Auschwitz. Die inter-
viewten jĂĽdischen Deportierten weisen verschiedenste soziale HintergrĂĽnde und eine
unterschiedliche Herkunft auf : Mario Limentani (1923–2014) war ein Bewohner des
römischen Ghettos, der nach der großen Razzia im Oktober 1943 gefangen genommen
8 Raimond Ricci war von 1976 bis 1983 Parlamentsabgeordneter fĂĽr die Kommunistische Partei (PCI)
sowie Präsident der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia (ANPI) und des Istituto ligure per la Storia
della Resistenza e dell’Età contemporanea. Gianfranco Maris war von 1968 bis 1972 Mitglied des Senats
und war Präsident der Associazione Nazionale Ex Deportati ne Campi Nazisti (ANED). Alberto Todros
war ab 1963 für vier Legislaturperioden Parlamentsabgeordneter der PCI sowie Präsident der ANED,
Sektion Turin. Italo Tibaldi war Vizepräsident der ANED.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen