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Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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381Wege italienischer Deportierter nach Mauthausen | wurde ; Rahamin Cohen (1916–2009), italienischer Abstammung und Staatsbürger- schaft, war hingegen ein Mitglied der großen jüdischen Gemeinde von Rhodos.9 Eine weitere empirische Feststellung betrifft die Erinnerungsgliederung, die umso klarer und strukturierter ausfällt, je mehr ein Erzähler bzw. eine Erzählerin auf irgend- eine Art eine «öffentliche Persönlichkeit» wurde und dementsprechend gewohnt war, seine bzw. ihre Erinnerungen darzulegen, über die er oder sie in diesem Fall viel nach- gedacht hat. Gianfranco Maris10 zum Beispiel, der als Anwalt und Politiker eine öffentliche Persönlichkeit wurde, hat sich immer aktiv als direkter Zeitzeuge und Präsident der ANED11 für die Erinnerungsbewahrung der Deportation eingesetzt. Er wurde im Jän- ner 1944 in Lecco wegen Partisanentätigkeit verhaftet, von Fossoli12 nach Bozen13 und 9 Infolge der Friedensabkommen von 1912 nach dem Italienisch-Türkischen Krieg kam Rhodos mit den anderen Inseln des Dodekanes zu Italien. Jahrhunderte lang gab es in Rhodos eine große jüdische Ge- meinde. Während des Zweiten Weltkriegs blieb Rhodos bis zum Sommer 1943 unter der Herrschaft der faschistischen Regierung Italiens, die trotz der 1938 verkündeten Rassengesetze de facto keinen Gewalt- akt gegenüber der jüdischen Gemeinde verübte. Nach dem Fall der faschistischen Regierung und dem mit den Alliierten vereinbarten Waffenstillstand besetzten deutsche Streitkräfte die Insel und begannen im Juli 1944 mit der Verhaftung und Deportation der Juden, die sie durch eine List ins deutsche Haupt- quartier lockten. Von den ungefähr 1820 Deportierten aus Rhodos und Kos überlebten nur etwa 100. Vgl. Wolfgang Quatember : Die Juden der griechischen Insel Rhodos, in : betrifft widerstand 89 (12/2008), S. 22–25, sowie den Beitrag von Katrin Auer in diesem Band. 10 Die Videoaufzeichnung des Interviews mit Gianfranco Maris für das MSDP wurde 2005 unter anderem zur Realisierung des Dokumentarfilms «Erinnerungen an Gusen. Das Konzentrationslager in den Erzäh- lungen von Überlebenden» verwendet, der im Memorial Gusen als Teil der dortigen Ausstellung gezeigt wird. 11 Die ANED (Associazione Nazionale Ex Deportati nei Campi Nazisti  – Nationale Vereinigung der ehema- ligen Deportierten in nationalsozialistischen Lagern) vereinigt die Überlebenden der Massenvernich- tung, ihre Familienangehörigen und die Angehörigen der in den Konzentrationslagern Ermordeten. Als gemeinnützige Organisation bewahrt sie die Erinnerung an die Deportation und wendet sich vor allem an junge Menschen. Sie gibt die Zeitschrift «Triangolo Rosso» (Rotes Dreieck) heraus, publiziert For- schungen und Untersuchungen über die Deportation, organisiert Ausstellungen, veranstaltet Reisen und Gedenkfeiern an den Orten der Vernichtung. Alle italienischen Interviewten waren Mitglieder. Siehe URL : http://www.deportati.it/ (15. 10. 2020). 12 Fossoli in der Provinz Modena war eines der vier nationalsozialistischen Durchgangslager auf italieni- schem Gebiet während der Besatzungszeit (1943–1945). In Fossoli existierte ab 1942 ein Kriegsgefange- nenlager, das ab Mitte September 1943 zunächst in ein Auffanglager für Juden und später in ein «natio- nales Konzentrationslager» der Sozialrepublik für Häftlinge, die nicht deportiert wurden, umgewandelt wurde. Im März 1944 wurde es zu einem polizeilichen Durchgangslager für Juden und politische Häftlinge auf dem Weg in das Deutsche Reich. Aus dem Lager Fossoli wurden etwa 5000 Häftlinge deportiert, davon mindestens 2461 Juden. Ende Juni 1944 wurde das Lager aufgrund der nahenden Front geschlossen und die Häftlinge im Lager Gries bei Bozen interniert. Juliane Wetzel : Italien, in : Wolfgang Benz/Barbara Dis- tel (Hg.), Der Ort des Terrors. Bd. 9 : Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager, München 2009, S. 292–312, hier 297 f. 13 Das Lager Bozen war von August 1944 bis April 1945 in Betrieb und wies im Unterschied zu den ande- ren drei Durchgangslagern in Italien, Fossoli, Borgo San Dalmazzo (Provinz Cuneo) und Risiera di San Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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