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italienischer Deportierter nach Mauthausen |
wurde ; Rahamin Cohen (1916–2009), italienischer Abstammung und Staatsbürger-
schaft, war hingegen ein Mitglied der groĂźen jĂĽdischen Gemeinde von Rhodos.9
Eine weitere empirische Feststellung betrifft die Erinnerungsgliederung, die umso
klarer und strukturierter ausfällt, je mehr ein Erzähler bzw. eine Erzählerin auf irgend-
eine Art eine «öffentliche Persönlichkeit» wurde und dementsprechend gewohnt war,
seine bzw. ihre Erinnerungen darzulegen, ĂĽber die er oder sie in diesem Fall viel nach-
gedacht hat.
Gianfranco Maris10 zum Beispiel, der als Anwalt und Politiker eine öffentliche
Persönlichkeit wurde, hat sich immer aktiv als direkter Zeitzeuge und Präsident der
ANED11 für die Erinnerungsbewahrung der Deportation eingesetzt. Er wurde im Jän-
ner 1944 in Lecco wegen Partisanentätigkeit verhaftet, von Fossoli12 nach Bozen13 und
9 Infolge der Friedensabkommen von 1912 nach dem Italienisch-TĂĽrkischen Krieg kam Rhodos mit den
anderen Inseln des Dodekanes zu Italien. Jahrhunderte lang gab es in Rhodos eine groĂźe jĂĽdische Ge-
meinde. Während des Zweiten Weltkriegs blieb Rhodos bis zum Sommer 1943 unter der Herrschaft der
faschistischen Regierung Italiens, die trotz der 1938 verkĂĽndeten Rassengesetze de facto keinen Gewalt-
akt gegenĂĽber der jĂĽdischen Gemeinde verĂĽbte. Nach dem Fall der faschistischen Regierung und dem
mit den Alliierten vereinbarten Waffenstillstand besetzten deutsche Streitkräfte die Insel und begannen
im Juli 1944 mit der Verhaftung und Deportation der Juden, die sie durch eine List ins deutsche Haupt-
quartier lockten. Von den ungefähr 1820 Deportierten aus Rhodos und Kos überlebten nur etwa 100.
Vgl. Wolfgang Quatember : Die Juden der griechischen Insel Rhodos, in : betrifft widerstand 89 (12/2008),
S. 22–25, sowie den Beitrag von Katrin Auer in diesem Band.
10 Die Videoaufzeichnung des Interviews mit Gianfranco Maris fĂĽr das MSDP wurde 2005 unter anderem
zur Realisierung des Dokumentarfilms «Erinnerungen an Gusen. Das Konzentrationslager in den Erzäh-
lungen von Überlebenden» verwendet, der im Memorial Gusen als Teil der dortigen Ausstellung gezeigt
wird.
11 Die ANED (Associazione Nazionale Ex Deportati nei Campi Nazisti – Nationale Vereinigung der ehema-
ligen Deportierten in nationalsozialistischen Lagern) vereinigt die Ăśberlebenden der Massenvernich-
tung, ihre Familienangehörigen und die Angehörigen der in den Konzentrationslagern Ermordeten. Als
gemeinnĂĽtzige Organisation bewahrt sie die Erinnerung an die Deportation und wendet sich vor allem
an junge Menschen. Sie gibt die Zeitschrift «Triangolo Rosso» (Rotes Dreieck) heraus, publiziert For-
schungen und Untersuchungen ĂĽber die Deportation, organisiert Ausstellungen, veranstaltet Reisen und
Gedenkfeiern an den Orten der Vernichtung. Alle italienischen Interviewten waren Mitglieder. Siehe
URL : http://www.deportati.it/ (15. 10. 2020).
12 Fossoli in der Provinz Modena war eines der vier nationalsozialistischen Durchgangslager auf italieni-
schem Gebiet während der Besatzungszeit (1943–1945). In Fossoli existierte ab 1942 ein Kriegsgefange-
nenlager, das ab Mitte September 1943 zunächst in ein Auffanglager für Juden und später in ein «natio-
nales Konzentrationslager» der Sozialrepublik für Häftlinge, die nicht deportiert wurden, umgewandelt
wurde. Im März 1944 wurde es zu einem polizeilichen Durchgangslager für Juden und politische Häftlinge
auf dem Weg in das Deutsche Reich. Aus dem Lager Fossoli wurden etwa 5000 Häftlinge deportiert, davon
mindestens 2461 Juden. Ende Juni 1944 wurde das Lager aufgrund der nahenden Front geschlossen und
die Häftlinge im Lager Gries bei Bozen interniert. Juliane Wetzel : Italien, in : Wolfgang Benz/Barbara Dis-
tel (Hg.), Der Ort des Terrors. Bd. 9 : Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager,
Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager, München 2009, S. 292–312, hier 297 f.
13 Das Lager Bozen war von August 1944 bis April 1945 in Betrieb und wies im Unterschied zu den ande-
ren drei Durchgangslagern in Italien, Fossoli, Borgo San Dalmazzo (Provinz Cuneo) und Risiera di San
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen