Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 390 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 390 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

Image of the Page - 390 -

Image of the Page - 390 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

Text of the Page - 390 -

390 | Doris Felsen und Viviana Frenkel Lüge, die in so vielen Deportationsberichten vorkommt und den Zweck hatte, die Häft- linge ruhigzustellen. Als sie jedoch die Verzweiflung ihrer Verwandten bemerkten, die den Bahnhof füll- ten, um ihre Lieben zu verabschieden, ahnten die Verhafteten, dass sie ein viel schlim- meres Schicksal erwarten würde. Maria Fugazza (die während des gesamten Interviews versucht, pathetische Töne zu vermeiden) erwähnt am Rande dieser Episode, dass die Häftlinge Botschaften aus den Öffnungen der Züge fallen ließen, um ihre Verwandten über die Abfahrt zu benachrichtigen. Ines Gerosa, eine Freundin, mit der Maria die gesamte Deportation verbrachte, antwortet auf eine spezifische Frage von Giuseppe Valota : «Nein, [die Verwandten durften nicht kommen] weder um uns zu verabschie- den noch um uns zu umarmen. Nichts. Sie waren alle verzweifelt. Ich hörte meine Schwester ‹Mörder !› schreien, beinahe wäre sie auch noch verhaftet worden. Meinen Bruder habe ich von weitem gesehen, er war völlig verstummt.»34 Besonders dramatisch erwies sich laut Zeugenaussagen die Anwesenheit der Ver- wandten bei der Abfahrt des vorherigen Konvois, am 17. März. Ernesto Labellottini, auch er ein Streikender und unter denselben Umständen verhaftet, berichtet : «Gegen Mittag kamen die Ehefrauen und Mütter der Verhafteten und brachten Pakete, Taschen, Kleider und auch Lebensmittel. All diese Frauen waren in der Nacht durch die Polizei wachen Mailands geirrt, wo man ihnen sagte, dass wir nach Deutschland zum Arbeiten gebracht würden : alles nur, um sie ruhigzustellen, aber wenige glaubten daran. Am nächsten Morgen schickten sie uns hinunter und wir mussten in Reih und Glied durch die Straßen von Bergamo zum Bahnhof marschieren. Da wurden wir auf einmal von Müttern und Ehefrauen erreicht, die ein Spalier neben uns bildeten. […] die deutschen Soldaten schauten zu, die Maschinengewehre auf uns gerichtet […]. Sie ließen die Häftlinge [in den Bahnhof] rein und begannen, sie in die Waggons zu laden. Da geschah etwas Herzzerreißendes. Alle Frauen, es waren ca. achtzig, rebellierten gegen die deutschen Soldaten, um zu verhindern, dass ihre Angehörigen in die Waggons gebracht wurden. Es entstand ein wildes Gerangel zwischen diesen Müttern und Ehefrauen und den deutschen Wachen, die brutal darauf reagierten und sie mit dem Gewehrschaft niederschlugen. Viele dieser Frauen wurden zu Boden geknüppelt. Mitten im Klamauk befand sich auch meine Mutter : Mir wäre lieber gewesen, sie hätte diese furchtbare Szene nicht erlebt.»35 Auch Angelo Signorelli befand sich in diesem Konvoi und erinnert sich sehr genau : 34 Valota, Streikertransport, S. 145–158. 35 Ernesto Labellottini wurde für das MSDP befragt, jedoch ist die Qualität des Interviews aufgrund seines hohen Alters und schlechten Gesundheitszustandes äußerst dürftig. An dieser Stelle wird daher auf den Ausschnitt aus einer vorhergehenden Aussage zurückgegriffen, die von Giuseppe Valota schriftlich auf- gezeichnet wurde (ohne Datum). Vgl. AMM, MSDP, OH/ZP1/006, Interview mit Ernesto Labellottini, Interviewerin : Viviana Frenkel, Sesto San Giovanni, 11. 6. 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
back to the  book Deportiert nach Mauthausen, Volume 2"
Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Deportiert nach Mauthausen