Page - 408 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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408 | Hana KubĂĄtovĂĄ
erfahren. Wie etwa die eingangs zitierte KatarĂna LöfflerovĂĄ, der dieser Umstand von
einem tschechischen Mitgefangenen zugetragen wurde :
«Es hat sich also herausgestelltÂ
⊠wir sind ins Lager gelangt, wo politische HÀftlinge gewesen
sind. Keine Juden. Politische HĂ€ftlinge. HauptsĂ€chlich Tschechen. Und der [âŠ] PrĂ€sident der
Republik [âŠ] NovotnĂœ ist dort gewesen. Damals kannte ich ihn nicht, genauso wenig, wie er
wusste, dass er eines Tages PrĂ€sident sein wĂŒrde. Das sind also die Politischen gewesen.»14
Das sind einige der GrĂŒnde, warum ich mich entschieden habe, in meinem Beitrag all-
gemein von «slowakischen HÀftlingen» anstatt von «slowakischen politischen HÀftlin-
gen» zu sprechen, wohl wissend, dass auch diese Kategorisierung mit MÀngeln behaftet
ist. So etwa geht aus ihr nicht hervor, welche UmstÀnde jemanden nach Mauthausen
gebracht hatten â diese gilt es in jedem Fall gesondert zu untersuchen. Dann war es
auch keineswegs so, dass alle aus der Slowakei deportierten Gefangenen sich hin-
sichtlich ihrer nationalen IdentitÀt als «Slowaken» ansahen, und manchen kam nicht
einmal der Status des StaatsbĂŒrgers zu.15 Unter BerĂŒcksichtigung all dieser Momente
bezeichne ich als «slowakische HÀftlinge» schlicht die Bewohner des Gebiets der Slo-
wakischen Republik in den Grenzen von 1939 (demnach ohne die im Anschluss an den
Wiener Schiedsspruch von 1938 an Ungarn abgetretenen Territorien).
Was die Materialien betrifft, aus denen ich meine Erkenntnisse ableite, stĂŒtze ich
mich vorwiegend auf zwei Kategorien von PrimÀrquellen. Dies sind zum einen die im
Mauthausen Survivors Documentation Project archivierten Aussagen von Ăberleben-
den, in denen diese detailliert ĂŒber verschiedenste Aspekte ihres Lebens (vor, wĂ€hrend
und nach der Internierung in Mauthausen) Auskunft geben. Zum anderen habe ich mit
Interviews gearbeitet, die Ăberlebende Presse- und anderen Medienvertretern gegeben
hatten und die im Archiv der Shoah Foundation zu finden waren.16 Was den Aufbau
14 AMM, MSDP, OH/ZP1/340, Interview LöfflerovĂĄ. AntonĂn NovotnĂœ, der PrĂ€sident der Tschechoslowakei
von 1957 bis 1968, wurde 1941 wegen illegaler BetÀtigung in der Kommunistischen Partei der Tschecho-
slowakei verhaftet und war bis 1945 in Mauthausen interniert.
15 GemÀà dem Verfassungsgesetz vom Mai 1942 zur Legalisierung der laufenden Deportationen wurde
zwangsumgesiedelten Juden die slowakische StaatsbĂŒrgerschaft aberkannt. SlovenskĂœ zĂĄkonnĂk [Slowa-
kisches Gesetzbuch], 1942, Verfassungsgesetz Nr. 68/1942.
16 Das geschah insbesondere im Fall von Otto Wagner und Pavel Branko (1921â2020), die sich beide nach
ihrer Befreiung öffentlich engagierten. Otto Wagner wurde Vorsitzender des slowakischen Vereins der
Gefangenen von Konzentrations- und Internierungslagern (ZdruĆŸenie vĂ€zĆov koncentraÄnĂœch a za-
ja
tec
kĂœch tĂĄborov) und war aktives Mitglied des Zentralrats des Slowakischen Verbandes antifaschis-
tischer KĂ€mpfer (ĂstrednĂĄ rada SlovenskĂ©ho zvĂ€zu protifaĆĄistickĂœch bojovnĂkov). Bis zu seinem Tod
im Januar 2017 trat Otto Wagner entschieden allen Holocaustleugnern entgegen, ganz besonders je-
nen in der slowakischen Politik. Pavel (fallweise Pavol) Branko wurde ein angesehener Kinokritiker,
Filmtheoretiker und Publizist ; er nahm immer wieder zu aktuellen Fragen Stellung, etwa zu den The-
men Ungleichheit und Migration. Siehe z. B. Martina FiamovĂĄ : PreĆŸil dva koncentrĂĄky : Kto schody
v kameĆolome nezvlĂĄdol, toho esesĂĄci strelili do zĂĄtylku [Ăberlebender von zwei Konzentrations-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen