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Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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411«Burschen, ihr fahrt in das schlimmste Lager !» | stellte die Anwesenheit sogenannter Berater dar, die in den wichtigsten politischen und ökonomischen Institutionen (und deren Agenden) das eigentliche Sagen hatten.26 Eine gewisse Sonderstellung  – verglichen damit, was in anderen Abteilungen des Re- gimes die Norm war  – nahm die slowakische Justiz ein : Abgesehen davon, dass die noch während des Bestehens der Tschechoslowakischen Republik eingesetzten Rich- ter ihre Posten behielten, waren im Justizministerium (Ministerstvo pravosúdia) auch keine deutschen «Berater» zugegen.27 Ohne näher auf die deutsche Interventionspoli- tik gegenüber der Slowakei einzugehen  – diese wurde in der Historiografie ausführlich behandelt28  –, ist festzuhalten, dass alle vor der Besetzung der Slowakei durch deutsche Truppen Ende August 1944 getroffenen antijüdischen Maßnahmen, einschließlich der Deportationen des Jahres 1942, von der politischen Führung des Landes veranlasst und von slowakischen Kräften umgesetzt wurden. Dem Versuch, das Regime dieses Staates in seiner Besonderheit zu erfassen, stellen sich einige Hindernisse in den Weg. Die kommunistische Geschichtsschreibung heftete dem unabhängigen Slowakischen Staat das Etikett «klerikalfaschistisch» an, ohne diese Bezeichnung bzw. ihre Bedeutung näher zu erläutern.29 Nicht anders die nach 1989 einsetzende historische Forschung, die gleichfalls von diesem Attribut  – neben an- deren Zuschreibungen wie «autoritär-totalitär», «faschistisch» und/oder schlicht «un- demokratisch»  – ausgiebig und theoretisch unreflektiert Gebrauch machte.30 So stiften diese Attribute in ihrer ganzen Beliebigkeit denn auch eher Verwirrung, als dass sie hel- fen würden, sich einen Begriff von den herrschenden Verhältnissen zu machen. Daher will ich in den folgenden Absätzen das Wesen des «Slowakischen Staates» anhand der klassischen Typologisierung nichtdemokratischer Regimes einer neuerlichen Analyse unterziehen und dabei besonders die Transformationen, die das Regime durchlief, in den Blick nehmen. Erst wenn Klarheit über das Wesen des Regimes herrscht, so mein Argument, lässt sich auch verstehen, was es mit den Feinden des Staates  – den tatsäch- lichen ebenso wie den imaginären  – samt den gegen sie gerichteten Maßnahmen auf 26 Katarína Hradská : Nacistickí poradcovia a židovská otázka na Slovensku [Nationalsozialistische Berater und die Judenfrage in der Slowakei]. Bratislava 1999, S. 16. 27 Rychlík, Perzekúcia odporcov režimu na Slovensku 1938–1945, S. 124. 28 Hradská, Nacistickí poradcovia a židovská otázka na Slovensku ; Michal Schvarc et  al. (Hg.) : «Tretia ríša» a vznik Slovenského štátu. Dokumenty  I [Das «Dritte Reich» und die Entstehung des Slowakischen Staats. Dokumente  I], Bratislava 2008 ; Michal Schvarc/David Schriffl (Hg.) : «Tretia ríša» a vznik Slovenského štátu. Dokumenty  II [Das «Dritte Reich» und die Entstehung des Slowakischen Staats. Dokumente  II], Bratislava 2010. 29 Siehe z. B. Gustav Husák : Prejavy a state, august 1974–apríl 1976 [Reden und Aufsätze, August 1974  – April 1976], Bratislava 1977, S. 13 ; Jaroslav Šolc : Slovenské národné povstanie. Štúdie, udalosti, biblio- grafia [Der Slowakische Nationalaufstand. Studien, Ereignisse, Bibliografie], Nitra 1969, S. 20, 26 u. 58. 30 Vgl. Lubomír Kopeček : Demokracie, diktatury a politické stranictví na Slovensku [Demokratie, Diktatu- ren und das Parteiensystem in der Slowakei], Brno 2006, S. 81 ; Igor Baka : Politický režim Slovenskej republiky v rokoch 1939–1940 [Das politische Regime der Slowakischen Republik in den Jahren 1939– 1940], Bratislava 2010, S. 6–7. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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