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Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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Page - 424 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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424 | Hana Kubátová kennenlernte. Die Begegnung seiner Eltern charakterisiert Pavel Branko als ein Aufei- nandertreffen von Romantik und Vernunft  – «bei Vater war es echte Leidenschaft […], bei Mutter wohl eher der Wunsch, der bolschewistischen Hölle zu entkommen […]. So empfand sie das. Das waren die Vorzeichen, unter denen sie sich näher kamen.» Pavel Branko wurde wahrscheinlich früh getauft und verbrachte seine ersten Lebensjahre in Hačava im Gebiet Košice, wo sein Vater eine Stelle in einem Magnesitwerk innehatte. Mit judenfeindlichen Ressentiments dürfte Pavel Branko erstmals durch seine anti- semitische Mutter konfrontiert worden sein. Dies änderte sich mit dem Umzug der Familie nach Petržalka (Engerau), ein Bratislavaer Arbeiterviertel. «Dort», sagt Pavel Branko, «kam ich plötzlich drauf, dass ich Jude bin. Es war dies nicht etwa die Folge einer Art von Erwachen, sondern selbstverständlich die von Diskriminierung.»90 Pavel Brankos Weg nach Mauthausen begann mit seiner Festnahme aufgrund staatsfeindlicher Handlungen im Jahr 1942. Er erinnert sich noch, wie er in Petržalka den «ersten richtigen Kommunisten» kennenlernte, einen Mann namens Janko (Ján) Kugler, der aufs Engste mit der Widerstandsbewegung verbunden war. Und so sehr Pa- vel Branko mögliche Konsequenzen fürchtete, ließ er sich von Janko für dessen Sache gewinnen und wurde Mitglied der Bezirksleitung der illegalen Kommunistischen Par- tei von Trnávka, gleichfalls ein Stadtteil von Bratislava. Gemeinsam mit Miloš Uhlárik, einem «extrem gegen diesen slowakischen Staat» eingestellten Kommunisten  – und interessanterweise Mitglied der Hlinka-Garde  –, wurde Pavel Branko zum Begründer und Autor der Untergrundzeitschrift «Mor ho !».91 Im Juli 1942 wurde Pavel Branko verhaftet und gemeinsam mit Miloš Uhlárik und drei weiteren Autoren, Viliam Zábojník, Jozef Pavol Spinetti und Lukáš Jajcaj, ange- klagt. Die Gerichtsverhandlung fand im November 1942 statt, «in der Hochphase des Deutschen Reichs. Es sollte also ein richtiger Schauprozess werden […], mit dem un- sere Führer beweisen wollten, dass auch wir gegen die Judäobolschewiken vorgehen.» Entsprechend hart fielen die Urteile aus  – Miloš Uhlárik und Viliam Zábojník erhiel- ten die Todesstrafe, Pavel Branko und Jozef Pavol Spinetti wurden zu lebenslängli- cher, Lukáš Jajcaj zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die unterschiedlichen Strafausmaße erklärt Pavel damit, dass die einen  – Uhlárik und Zábojník  – als «Verräter, waren sie doch Funktionäre der Hlinka-Garde», verurteilt wurden ; die anderen hingegen wa- ren «keine Verräter, wir waren bloß antistaatliche Elemente»92, was ein milderes Urteil rechtfertigte. Aufgrund ihrer Berufung und auch der oben beschriebenen allgemeinen Verfasstheit des Justizwesens wurde das endgültige Urteil erst 1944 gefällt. Das neue Strafmaß  – zwölf bzw. zehn Jahre Haft  – spiegelte die aktuelle Kriegslage wider.93 90 AMM, MSDP, OH/ZP1/352, Interview Branko. 91 Der Titel der Zeitschrift «Mor ho !» (Töte ihn !), der auf eine Ballade des slowakischen Dichters Samo Chalupka (1812–1883) zurückgeht, war der Slogan des Slowakischen Nationalaufstands. 92 AMM, MSDP, OH/ZP1/352, Interview Branko. 93 Pavel Brankos Reflexionen über seinen Prozess  – in Erwiderung auf revisionistische Behauptungen, un- ter dem Regime des Slowakischen Staats sei kein einziges Todesurteil gefällt worden  – sowie über zahl- Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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