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Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 427 -
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Page - 427 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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427«Burschen, ihr fahrt in das schlimmste Lager !» | Uniformen, die nackten Füße in Holzpantoffeln, und das von fünf Uhr morgens bis fünf Uhr abends. Die Glücklichen, die in der Mitte der Menge zu stehen kamen, ich war einer davon, haben irgendwie überlebt. Aber andere, besonders Ältere, die nicht so robust waren und am Rand standen […], von denen haben die meisten Durchfall gekriegt  – und Durchfall bedeu- tete Tod.»106 Grausamkeit und Verrat Eine Geschichte, die Otto Wagner von seinem ersten Tag in Mauthausen in Erin- nerung geblieben ist, illustriert die Grausamkeit, der die Lagerinsassen ausgesetzt waren. Unter den auf dem Appellplatz versammelten Gefangenen waren auch wel- che, die von im Angriff vor Melk erlittenen Verletzungen gezeichnet waren, ein Um- stand  – das wussten sie  –, der ihre Überlebenschancen beträchtlich mindern würde. Als sich Angehörige der SS-Wachmannschaften den Neuankömmlingen näherten und begannen, sie zu verhöhnen  – «Na, seht ihr, was eure angloamerikanischen Freunde getan haben ? Sie haben auf euch geschossen !»  –, bemerkte ein SS-Mann einen Gefangenen, der versuchte, seine nur mehr an einem Hautfetzen hängende Hand zu verbergen. Er packte die Hand und riss sie dem Mann ab. Ottos Erinnerung zufolge verlor dieser «sofort das Bewusstsein  – aber stellen Sie sich vor, dieser Mann, seinen Namen habe ich vergessen, der hat überlebt ; dieser Mann mit der einen Hand hat überlebt, ja !»107 Außer vom SS-Personal, von dem man nichts anderes erwartete, gingen Grausam- keiten auch von den Mithäftlingen aus. So erinnert sich Pavel Branko, dass in Melk Gefangene, während sie auf dem Appellplatz standen, von älteren Lagerinsassen be- stohlen wurden. Freilich war Grausamkeit oft reine Überlebenstaktik, wie ich anhand zweier Beispiele belegen möchte. Die Gefangenen waren in Baracken untergebracht, wo sie zu viert auf achtzig Zentimeter breiten Stockpritschen schliefen. Schlafen zu können setzte voraus, dass jeder auf seiner Seite blieb. Pavel Branko erinnert sich an eine Situation, da «einer von uns vier in der Nacht starb, aber anstatt […] irgendetwas für ihn zu empfinden, warfen wir ihn auf den Boden und fluchten, weil er in die Hose gemacht hatte  – Sie wissen ja, wenn einer stirbt, da gehen alle Körperöffnungen auf  –, weil er das Bett beschmutzt hatte ; und dann lagen wir bequem, weil wir nur mehr zu dritt waren.»108 Branko erinnert sich auch, dass er einmal wegen einer Rippenfellent- zündung in das sogenannte Krankenlager verlegt wurde, wo es nur die halbe Essens- ration gab. 106 Ebd. 107 Ebd. 108 AMM, MSDP, OH/ZP1/352, Interview Branko. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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