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Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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Page - 431 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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Regina Fritz «Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis.» Ungarische Deportierte in Mauthausen Am 7. April 1945 notierte Andor Gellis kurz nach seiner Ankunft in Mauthausen in sein Tagebuch : «Ankunft in Mauthausen. Auf dem Weg vom Schiff ins Lager (3  km) starben unzählige infolge des Hungers. Das Lager übersteigt alle Höllenfantasien, wenn eine Seuche ausbricht, werden wir alle hier sterben. Infolge des Hungers gibt es täglich ca. 100  Tote. Solt, Blau, Reichmann, Berger, Bőhm sind hier. Ich bin sehr schwach, aber ich muss nach Hause kommen. Der Hun- ger ist furchtbar, auch ohne Dreck und Läuse. Unsere Verpflegung ist verbrecherisch und unregelmäßig. In der Früh um zehn herum wässriger Schwarzer, ca. zwischen 12 und drei sechs bis acht dl Suppe, um fünf eine Scheibe Brot. Wir hungern, wir sind schwach, Hunderte sterben.»1 Im Frühjahr 1945 erreichten etwa 20.000 ungarische Jüdinnen und Juden zu Fuß, per Bahn oder  – wie Gellis  – per Schiff das Konzentrationslager Mauthausen. Sie waren aus den Südostwall-Lagern in der Nähe der österreichisch-ungarischen Grenze vor der näher rückenden Front nach Mauthausen evakuiert worden, nachdem das Lager in den letzten Kriegsmonaten aufgrund seiner relativ weiten Entfernung von der Front zu einem zentralen Ziel von Deportations- und Evakuierungstransporten geworden war. Doch jene Juden, die in den Südostwall-Lagern meist Schanzarbeiten verrichten mussten, mit deren Hilfe die heranrückende sowjetische Armee aufgehalten werden sollte, waren nicht die ersten ungarischen Häftlinge im Konzentrationslagerkomplex Mauthausen. Schon kurz nach der Besetzung Ungarns am 19. März 1944 durch deut- sche Truppen trafen hier erste Transporte aus Ungarn ein. In erster Linie waren es po- litisch Andersdenkende und Intellektuelle, darunter prominente Persönlichkeiten wie der ehemalige Außenminister Gusztáv Gratz, die Abgeordneten György Parragi und György Apponyi oder die jüdischen Industriellen Leó Goldberger und Móric Kornfeld, die im Frühjahr 1944 im Stammlager inhaftiert wurden.2 1 Andor Gellis/Vilmos Dezső : Naplótöredékek a XX. Századból [Tagebuchfragmente aus dem 20. Jahrhun- dert], Budapest 2004, S. 55. 2 Gusztáv (Gustav) Gratz (1875–1946) war 1917 Finanzminister, 1921 Außenminister und ab 1936 Ab- geordneter der Bürgerlichen Freiheitspartei (Polgári Szabadságpárt) sowie Chefredakteur der liberalen Tageszeitung «Pesti Napló». György Parragi (1902–1963) war Journalist und Abgeordneter der bürger- lichen Kleinbauernpartei. György Apponyi (1898–1970) war Legitimist, Journalist und Abgeordneter Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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