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Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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Page - 446 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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446 | Regina Fritz sie sich spĂ€ter. «Wir erhielten insgesamt viermal etwas zum Essen, und zwar eine Suppe und zweimal 20  dkg Brot. Die Menschen sind auf der Straße zusammengebro- chen, sie wurden erschossen.»50 Die evakuierten HĂ€ftlinge schliefen meist unter freiem Himmel und kamen vollkommen entkrĂ€ftet im bereits ĂŒberfĂŒllten Konzentrationslager Mauthausen an. Die Zahl der HĂ€ftlinge in diesem Lagerkomplex explodierte bereits seit Jahresan- fang, als die ersten Evakuierungstransporte mit insgesamt um die 18.000 HĂ€ftlinge aus anderen Konzentrationslagern hier eingetroffen waren. Ende MĂ€rz begann die SS auch mit der RĂ€umung einiger Außenlager des KZ Mauthausen in den Gauen Wien, Niederdonau und Steiermark und verlegte etwa 25.000 Personen in das Stammlager, nach Ebensee, Gusen oder Gunskirchen.51 Mit einem dieser Evakuierungstransporte gelangte auch Andor Gellis im April 1945 nach Mauthausen. Der damals 41-jĂ€hrige Elektroingenieur stammte aus den ungarisch annektierten slowakischen Gebieten und wurde im Winter 1944 als Arbeitsdienstler in das Lager Engerau (PetrĆŸalka) verschleppt. Ende MĂ€rz 1945 wurde er ĂŒber Bad Deutsch-Altenburg per Schiff nach Mauthausen evakuiert. Sein Tagebucheintrag vom 5. April illustriert den tĂ€glich wach- senden Hunger auf dem Transport und seine verzweifelten Versuche, diesen zu stillen, eindrĂŒcklich : «Ich glaube, das kann man nicht mehr lange aushalten. Wir haben noch immer nichts zum Essen bekommen. Ob sie uns auf diese Weise umbringen wollen ? Gestern habe ich Paar Schlucke Tee getrunken, heute habe ich ein Paar Bohnen-Samen gegessen. Ich habe den Zu- cker von der restlichen Kinine52 heruntergelutscht. Ich bin schwach, auch meine Sehkraft wird schwĂ€cher, mir ist schwindlig. Ich habe Angst, wie lange das noch dauert, wohin sie uns bringen, wie lange ich es aushalte.»53 Das von einem Überlebenden dieser MĂ€rsche geĂ€ußerte ResĂŒmee «Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis»54 ist charakteristisch fĂŒr zahlreiche Berichte ĂŒber die EvakuierungsmĂ€rsche. In einem großen Teil der MSDP-Interviews und der zeitgenössischen TagebĂŒcher werden die Strapazen bei der Evakuierung nach Maut- hausen besonders hervorgehoben und der Hunger und die verschiedenen Strategien, die die HĂ€ftlinge dagegen entwickelt haben, in den Vordergrund gestellt. EindrĂŒcklich illustriert das Tagebuch von Gellis den KrĂ€fteverfall der evakuierten HĂ€ftlinge. Wie aus ihm hervorgeht, hatte sich die Versorgung der HĂ€ftlinge in Engerau 50 Protokoll mit Frau J. I., 14. 8. 1945, DEGOB 1214. 51 Verein fĂŒr Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-GedenkstĂ€tten (Hg.) : Das Kon- zentrationslager Mauthausen 1938–1945. Katalog zur Ausstellung in der KZ-GedenkstĂ€tte Mauthausen, Wien 2013, S. 233. 52 Gemeint ist hier ein Medikament. 53 Gellis/DezsƑ, NaplĂłtöredĂ©kek, S. 55. 54 Protokoll mit Frau J. I., 14. 8. 1945, DEGOB 1214. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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