Page - 467 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Image of the Page - 467 -
Text of the Page - 467 -
467Der
lange Weg |
Überlegungen, was/ die vor allem mit der Sorge, um die Familie erfüllt waren. Und / und da-
rüber, wohin wir fahren. Wohin fahren wir ? Es hat uns ja niemand gesagt, wohin. Niemand.
Ja, die bringen uns irgendwohin, aber wohin ? Und es gab / unterwegs gab es einmal so / einen
Flugangriff. Auch das. Und der Zug blieb stehen. Da wussten wir nicht : werden wir getroffen,
oder nicht. Aber das war nur einmal.»35
Frauentransporte in Mauthausener Außenlager
Mauthausen war für weibliche Häftlinge zunächst primär Durchgangslager ; dies än-
derte sich mit Einführung eines eigenen Registrierungsbuches (mit neuer Nummern-
serie) für Frauen im September 1944. Zu diesem Zeitpunkt wurden das ca. im Februar
1943 errichtete Ravensbrücker Außenlager St. Lambrecht sowie das Außenlager Mit-
tersill (gegründet am 24. März 1944) und deren Häftlinge, insgesamt 39 Frauen, in das
Konzentrationslager Mauthausen eingegliedert. In diesen Lagern waren ausschließlich
sogenannte «Bibelforscherinnen» (Zeuginnen Jehovas) inhaftiert. Die Mehrzahl der
weiblichen Mauthausenhäftlinge befand sich in den Außenlagern Hirtenberg und Len-
zing. Ende September 1944 wurden zunächst 391 Frauen aus Auschwitz nach Hir-
tenberg zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie überstellt, Ende November folg-
ten weitere drei aus Auschwitz und acht Frauen aus Ravensbrück. Alle diese Frauen
wurden direkt von Auschwitz bzw. Ravensbrück nach Hirtenberg überstellt, passierten
also nicht das Stammlager Mauthausen. In dieses gelangten sie erst, nachdem sie Mitte
April 1945 in einem Evakuierungsmarsch unter todesmarschähnlichen Bedingungen
nach Mauthausen getrieben wurden.36
Die insgesamt 577 Häftlingsfrauen des Außenlagers Lenzing kamen auch aus
Auschwitz, die ersten 500 von ihnen Ende Oktober 1944 nach einer dreitägigen Fahrt,
ebenfalls direkt von Auschwitz nach Lenzing.37 Aufgrund der unzureichenden Klei-
dung der Angekommenen kam es zu einem Streit zwischen dem Transportführer und
jenem Mann, der den Transport in Lenzing so nicht übernehmen wollte. Nach einem
am Bahnhofsgelände abgehaltenen Zählappell wurden die Frauen und Mädchen durch
35 AMM, MSDP, OH/ZP1/597, Interview Norwa.
36 Vgl. Amesberger/Halbmayr, Weibliche Häftlinge, S. 122–133 ; Baumgartner, Die vergessenen Frauen,
S. 140–148 ; siehe zur Direktüberstellung die Einträge in der Datenbank «Frauen_97», dort heißt es bei
nahezu allen Hirtenberg-Häftlingen : «in K/5/6 [d. i. das Frauenzugangsbuch, Anm. d. A.] ohne expliziten
Haftgrund ; Überstellung von Auschwitz lt. Chronik KLM ; am 28. 9. 1944 [bzw. 27. 11. 1944] direkt von
Auschwitz nach Hirtenberg transportiert ; am 15. 4. 1945 nach Mauthausen evakuiert (Chronik KLM)».
Die Ankunft der Frauen in Mauthausen wird auf den 18./19. April datiert ; vgl. Baumgartner, Die verges-
senen Frauen, S. 147.
37 Margret Lehners Angabe, die ersten 500 Frauen seien am 3. 11. 1944 von Mauthausen kommend in Len-
zing eingetroffen, ist nicht richtig ; vgl. Lehner, Lenzing-Pettighofen, S. 33. Wie Baumgartner, Die ver-
gessenen Frauen, S. 151 f., schlüssig nachweist, ist der Transport am 30. 10. 1944 am Bahnhof Lenzing
eingetroffen, die Frauen wurden jedoch erst am 3. 11. 1944 als Mauthausen-Häftlinge registriert.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
back to the
book Deportiert nach Mauthausen, Volume 2"
Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen