Page - 469 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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lange Weg |
wir auch einen Tag oder zwei, ich erinnere mich nicht, und es gab ein Orchester, das spielte.43
Wie makaber, nicht ? Und am zweiten Tag, ich glaube, am zweiten Tag, zündeten sie das Lager
an, sie selbst. Sie brachten uns wieder in Waggons und wir fingen an überall herumzufahren,
dass ich nicht einmal weiß, wohin.»44
«Tage, Tage, das war nämlich schon am Ende des Krieges, und da sie nicht wussten, was sie
mit uns machen sollten, uns umbringen, wie uns vernichten. Also nahmen sie uns mit. Und
in Groß-Rosen steckten sie uns in Waggons und dort kamen wir nach Mauthausen. Dort
holten sie uns auch aus den Waggons und zu Fuß hinauf zum/ vom Berg.»45
Der große Transport aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ist ebenfalls als
Evakuierungstransport zu betrachten – da Frauen aus dem seit Monaten hoffnungslos
überfüllten KZ Ravensbrück auf andere Lager verteilt wurden. Im Zuge dieser Evakuie-
rungen kamen am 7. März 1945 1804 Frauen und 176 Kinder ins KZ Mauthausen (ins-
gesamt 1980 Personen).46 Diese Häftlinge aus Ravensbrück erhielten die Mauthausen-
Nummern 1053 bis 2856. Rund 710 dieser Frauen sowie zahlreiche Kinder wurden
zehn Tage später erneut in Züge gesteckt und nach Bergen-Belsen verfrachtet, die an-
deren Frauen verblieben in Mauthausen. Im Rahmen des MSDP-Projektes konnten
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Frauen interviewt werden, die die Überstellung von Ravensbrück nach Mauthausen
er- und überlebten. Beispielhaft hierfür eine Passage aus dem Interview mit Gisèle
Guillemot, die eindringlich die Qualen einer solchen Deportation und die Folgen des
tage- und nächtelangen Zusammengepferchtseins schildert :
«Und dann die NN [Nacht-und-Nebel-Häftlinge, Anm. d. Autorinnen], denn die Deutschen
wollten nicht, dass diese NN den Alliierten in die Hände fielen und befreit würden, wurden
am 2. März 1945, ah, nach Mauthausen transportiert. Das war das, was man einen ‹schwar-
zen Transport› nannte, das war mit der Aussicht, vernichtet zu werden. Und wir gaben / also,
wir waren / mit uns kamen auch die Zigeunerinnen mit ihren Kindern/ wir waren ein großer
Zug nicht weit / in Viehwaggons, nicht weit / also das ist meine einzige Erfahrung mit Vieh-
waggons, denn in meinem ersten / in meiner ersten Periode dort, als ich lang durch Deutsch-
land reiste, 89 Tage der Rundfahrt, reiste ich niemals in Viehwaggons, immer in Reisezügen,
sei es für uns beschlagnahmt, sei es gelegentlich auch mit normalen Reisenden, aber nie
in Viehwaggons. Und dort, das, das war ein Viehwaggon, von denen man so viel gespro-
chen hat, diese Horrorwaggons. Also blieben wir fünf Tage und fünf Nächte mit nur einem
Kommissbrot und einem kleinen / dann ein wenig Wasser, und das war sehr schwierig, das
43 Hier liegt vermutlich eine Verwechslung mit dem Orchester in Auschwitz-Birkenau vor.
44 AMM, MSDP, OH/ZP1/751, Interview mit Agnes Frank de Klein, Interviewerin : Regula Nigg, Buenos
Aires, 8./15. 1. 2003.
45 Ebd.
46 Neben diesen großen Überstellungstransporten gab es auch immer wieder kleinere, wie etwa eine Über-
stellung von 15 Frauen durch die Sicherheitspolizei Wien am 11. April 1945.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen