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472 | Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr
MithÀftlingen etc. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Frauen einen Teil der Strecke
in offenen Kohlewaggons transportiert wurden. FĂŒr die Schwestern Aviva Goldshtayn
(AG) und Hava Livni (HL) zĂ€hlt diese Ăberstellung zu den schrecklichsten Verfol-
gungserfahrungen :
AG : «Bis der Tag kam, sie sammelten uns auf die ZĂŒge, der Weg war grauenhaft. Das, das
ist das traumatischste Erlebnis meines Lebens, in offenen Waggons. Völlig beengt. Und ich
bekam Durchfall und es gab nirgends hinzugehen. Und, furchtbar. Nun.»
HL : «Und noch der Regen. Es war noch kalt, Ende April.»
AG : «Also wir erreichten, letztendlich erreichten wir Mauthausen [lacht].»
HL : «Es steht jetzt hier geschrieben, und daran erinnern wir uns beide nicht mehr, dass, irgendwo
in der Mitte, sie uns von offenen in geschlossene Waggons ĂŒberwechselten. Das ging verloren.»
AG : «Ich erinnere mich daran nicht.»61
Bezieht man alle diese nichtregistrierten HĂ€ftlinge mit ein, so gehen wir davon aus,
dass die geschĂ€tzte Zahl von 8500 Frauen, die fĂŒr meist sehr kurze, teilweise aber auch
lĂ€ngere Zeit im Konzentrationslager Mauthausen und in seinen AuĂenlager inhaftiert
waren, doch deutlich erhöht werden muss.
Interviewpartnerinnen im Mauthausen Survivors Documentation Project
Regionale Herkunft der Frauen
Zur (quantitativen) Einordnung des MSDP-Samples wird im Folgenden vor allem auf
die neue Projektdatenbank «Meta_Frauen» Bezug genommen ; zur Darstellung von
markanten Abweichungen zu bisherigen Verteilungen aufgrund der weitaus höheren
Anzahl erfasster weiblicher HĂ€ftlinge wird auch die nunmehr veraltete Datenbank
«Frauen_97» als Vergleichsbasis herangezogen.
Von den 6710 weiblichen Mauthausen-HĂ€ftlingen in der Frauendatenbank aus dem
Jahr 2010 kamen zwei Drittel der Frauen (66,16 %) aus LĂ€ndern Mittel- und Osteu-
ropas (Ungarn, Russland, Tschechien, Slowakei, Jugoslawien, Kroatien, Lettland, Li-
tauen und RumĂ€nien), weitere 25,45Â
Prozent aus westeuropÀischen LÀndern (Deutsch-
land, Frankreich, Belgien, Niederlande, GroĂbritannien, Lothringen, Luxemburg und
Schweiz) und 3,31Â
Prozent aus dem SĂŒden und Norden Europas (Italien, Spanien, Nor-
wegen und DĂ€nemark). Die restlichen fĂŒnf Prozent der Frauen waren entweder staa-
tenlos, US-amerikanische StaatsbĂŒrgerinnen oder deren NationalitĂ€t war unbekannt.62
61 AMM, MSDP, OH/ZP1/704, Interview mit Hava Livni geb. FĂŒrst, Interviewerin : Keren Harazi, Tivon, 18. 1.
2003.
62 Eine detailliertere Aufgliederung der HerkunftslÀnder der Frauen findet sich in Amesberger/Halbmayr,
Weibliche HĂ€ftlinge, S. 84 f.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen