Page - 473 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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473Der
lange Weg |
Damit entspricht die nationale Zugehörigkeit der im Rahmen des MSDP inter-
viewten Frauen (Basis 87 Frauen) zum Zeitpunkt der Verhaftung weitgehend jener der
Datenbank «Meta-Frauen». Zwei Drittel der interviewten Frauen kamen aus den mit-
tel- und osteuropäischen Ländern, ein weiteres Drittel lebte zum Zeitpunkt der Inhaf-
tierung in Ländern Süd- und Westeuropas.
Die Verfolgungsgründe
Rund die Hälfte der recherchierten weiblichen Häftlinge wurde laut Auszählung der
neuen Frauendatenbank von 2010 als Jüdinnen verfolgt ; ein Drittel war als politische
Häftlinge und weitere sieben Prozent waren als «Zigeunerinnen» registriert.63 Das
heißt, die Verteilung nach Verfolgtengruppen wich maßgeblich von jener in der Daten-
bank «Frauen_97» ab. Denn in dieser waren 50 Prozent sogenannte «Schutzhäftlinge»,
22 Prozent wurden ihr zufolge als Jüdinnen verfolgt und ein Prozent der weiblichen
Häftlinge waren «Bibelforscherinnen» ; auf die restlichen Kategorien (darunter «Zigeu-
nerinnen» und «Asoziale») entfielen 27 Prozent.64
Die Verteilung der Verfolgtengruppen im MSDP-Sample entspricht auch hinsicht-
lich der als Jüdinnen verfolgten Frauen den Zahlen der Datenbank «Meta_Frauen» ;
die politischen Häftlinge mit nahezu 45 Prozent hingegen sind überrepräsentiert. Mit
Ausnahme der «Bibelforscherinnen» sind alle anderen Verfolgtengruppen unterreprä-
sentiert. Es gibt keine Interviews mit Frauen, die als «Zigeunerinnen» inhaftiert wa-
ren, auch mit Frauen der Haftgründe «Kriminalität» oder «Asozialität» gibt es keine
MSDP-Interviews mit weiblichen Überlebenden.
Verhaftung
Entsprechend der regionalen Herkunft und der Verfolgungsgründe der Frauen sind
die Umstände der Verhaftung sehr unterschiedlich und variieren auch innerhalb der
genannten Kategorien. Hier ist es nicht möglich, Vergleiche zu ziehen, da darüber nur
die MSDP-Interviewpartnerinnen Auskunft geben.
Einige traf die Verhaftung vollkommen überraschend. Marta Fyerlicht, die vor den
Nazis aus Novi Sad nach Budapest geflüchtet war und dort lange Zeit unter einer fal-
schen Identität als Nichtjüdin lebte, wurde am Balaton (Plattensee) verhaftet, wo sie
sich gerade mit der Familie, bei der sie zur Untermiete wohnte, aufhielt. «Es hat nie-
mals auch nur ein Anzeichen gegeben.»65 Ebenso unerwartet traf die Verhaftung Slava
Primozic aus Görz (Italien). Sie wurde bei ihrer ersten Widerstandshandlung verhaftet :
63 Zu den Verfolgungsgründen vgl. ausführlicher Amesberger/Halbmayr, Weibliche Häftlinge, S. 85 f.
64 Baumgartner, Die vergessenen Frauen, S. 220.
65 AMM, MSDP, OH/ZP1/298, Interview mit Marta Fyerlicht geb. Ayido, Interviewerin : Keren Harazi, Je-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen