Page - 489 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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489Der
lange Weg |
der scheinbaren räumlichen Weite der Todesmärsche, wo der Raum lediglich durch die
begleitenden Wachmannschaften und Hunde begrenzt und die Freiheit so nahe schien,
blieb er exterritoriales Lagergelände. Am besten verdeutlicht sich dies durch die gna-
denlose Ermordung jener, die den Strapazen eines Marsches nicht mehr gewachsen
waren, aber ebenso in den missglückten Fluchtversuchen sowie im Bleiben in der Ko-
lonne. Viele konnten dem Gefangenenzug aus körperlichen Gründen nicht entfliehen.
Und viele wollten ihn aus rationalen wie moralischen Überlegungen nicht verlassen.
Sie sahen für sich entweder keine Chance des Überlebens in einem potenziell feind-
lichen Territorium oder wollten unterstützungsbedürftige Freunde und Freundinnen,
Geschwister oder Elternteile nicht alleine lassen. Ihr Verantwortungsbewusstsein ge-
bot ihnen dies. Die Menschen, die im Zuge des Todesmarsches flüchteten, mussten mit
dem Tod rechnen. Und auch jene, denen zunächst die Flucht gelang, waren vor erneu-
ter Verhaftung nicht sicher. Die oftmals bereitwillige Mitwirkung der Bevölkerung an
der Jagd auf Entflohene und die gleichzeitig geringen Ressourcen der Entflohenen, wie
etwa fehlende Sprachkenntnis, die Sichtbarkeit des Häftlingsstatus durch die Kleidung
und/oder kein Geld, machten den Raum außerhalb der Marschkolonne ebenfalls zum
Lager, aus dem es kein Entkommen gab.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen