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Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 504 -
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Page - 504 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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504 | Kobi Kabalek Demnach war der Weg der Häftlinge mit der Ankunft im Lagerkomplex Mauthau- sen nicht zu Ende. Für manche setzten sich die erzwungenen und häufigen Lagerwech- sel und die damit verbundenen veränderten Lebens- und Überlebensbedingungen bis zum Moment ihrer Befreiung fort ;44 andere wurden gar in Konzentrationslager weit im Inneren des Reichs, etwa nach Bergen-Belsen, verlegt.45 Der gestiegene Bedarf an Zwangsarbeitern für die deutsche Industrie und der damit einhergehende Bau weiterer Zwangsarbeitslager in der Umgebung von Betrieben waren nicht die alleinigen Gründe für die massenhafte Deportation von Juden nach Mauthausen zwischen 1944 und 1945.46 Angesichts des unaufhaltsamen Vorrückens der Alliierten in den letzten Kriegsmonaten wurden die Konzentrationslager in den besetzten Gebieten vollständig geräumt und ihre Insassen in frontfernere Lager ver- bracht. Mitte Januar 1945 startete die Evakuierung des Lagerkomplexes Auschwitz, mit welcher der bis dahin größte Zustrom an Häftlingen nach Mauthausen kam. Tausende Häftlinge aus unterschiedlichen Ländern, rund zwei Drittel davon Juden, wurden auf Züge verladen oder bei den eisigen Januar-Temperaturen in Marsch gesetzt. Viele star- ben auf dem Weg. Ihre Leichen ließ man oft einfach am Wegesrand zurück.47 Und es gab noch einen Weg, der ungarische Juden nach Mauthausen führte. Im Ok- tober 1944 wurden jüdische Männer, Frauen und Kinder rekrutiert, um Befestigungs- anlagen gegen die anrückende Rote Armee zu errichten  – zunächst in der Umgebung von Budapest und später am sogenannten «Südostwall». Viele erlagen der Schwerst- arbeit, dem Hunger und den katastrophalen Bedingungen in den improvisierten La- gern, andere starben auf den langen Märschen von Budapest Richtung österreichische 44 Siehe z. B. die Geschichte von Jakob Maestro, der, aus Auschwitz kommend, Mitte Januar 1945 in Maut- hausen eintraf, daraufhin als KZ-Zwangsarbeiter ins Außenlager Melk war und die letzten Kriegstage im Lager Wels verbrachte. AMM, MSDP, OH/ZP1/299, Interview Maestro. 45 Ein anschauliches Beispiel für dieses Phänomen bringt Aron Brown (geboren 1928, ursprünglich Bro- nicki) im Interview. Brown erinnert sich, dass er im August 1943 von Płaszów nach Mauthausen kam, dann nach Gusen  I und II und schließlich nach Melk. Im März 1944 ging es weiter nach Ebensee und im Februar 1945 nach Bergen-Belsen, wo er schließlich seine Befreiung erlebte. AMM, MSDP, OH/ZP1/227, Interview mit Aron Brown, Interviewer : Alexander von Plato, Bad Vilbel, 18. 9. 2002. Die SS-Akten wei- sen dagegen seine Ankunft in Mauthausen am 10. August 1944 und eine Überstellung nach Melk am 26. August 1944 aus ; über seinen weiteren Weg geben die Akten keine Auskunft. Individuelle Unterlagen Aron Bronicki, Doc. No. 1377072 ff., 1.1.26.3, ITS Digital Archive, Arolsen Archives. 46 Während laut Aufzeichnungen der SS 1942 die Zahl der Neuzugänge von jüdischen Häftlingen weniger als 1000 und 1943 nur 70 betrug, stieg sie 1944 auf 13.826 ; in den letzten Monaten seines Bestehens beherbergte das Lager ungefähr 9000 Insassen. Obwohl in den letzten zwei Jahren die Zahl der eingelie- ferten Frauen zunahm, bildeten Männer nach wie vor den überwiegenden Teil der Neuzugänge. Siehe Maršálek, Geschichte, S. 195–197. 47 Eckstein, Mauthauzn, S. 244–247. Zum Gesamtkomplex der Evakuierungen nach Mauthausen siehe den Beitrag von Alexander Prenninger in diesem Band sowie ders.: Das letzte Lager. Evakuierungstransporte in der Endphase des KZ-Komplexes Mauthausen, phil. Diss. Univ. Wien 2017 ; Daniel Blatman : Die To- desmärsche 1944/1945. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords, Reinbek 2011. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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