Page - 513 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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513Die
Warschauer Deportierten von 1944 |
In der Literatur über den Warschauer Aufstand wird über die Deportationen in die
Konzentrationslager eigentlich gar nicht berichtet. Eine Ausnahme sind die Anmer-
kungen des polnischen Historikers Władysław Bartoszewski in seiner 1984 veröffent-
lichten Chronik des Warschauer Aufstandes, wo unter dem Datum 2. September 1944
folgender Satz zu finden ist :
«Laut der Anordnung des Leiters des Reichssicherheitshauptamts, Ernst Kaltenbrunner,
wurden von Pruszków zahlreiche Gruppen von Männern, die aus der Altstadt vertrieben
worden waren, in die Konzentrationslager Mauthausen und Sachsenhausen-Oranienburg
deportiert.»4
Und im Anhang über das Lager in Pruszków schreibt Bartoszewski, dass ab dem 6. Au-
gust 1944, als die Deutschen das Durchgangslager (Dulag) 121 errichtet hatten, die
ersten Gruppen aus dem Bezirk Wola dorthin kamen und dass
«in der Zeit August, September, Oktober ca. 550.000 Bewohner der nach und nach zurücker-
oberten Warschauer Bezirke und ca. 100.000 zwangsausgesiedelte Personen aus der nächsten
Stadtumgebung das Lager passiert hatten […], mehr als 50.000 Männer und Frauen in Kon-
zentrationslager verbracht wurden.»5
In der bisher einzigen Arbeit über die Zivilbevölkerung im Aufstand konzentriert sich
die britische Autorin Joanna K. M. Hanson auf das Verhalten der Warschauer in den
aufständischen Bezirken. Nur im ersten Teil, der den Ausbruch des Aufstands und
seine Folgen behandelt, schreibt sie über die Behandlung der Zivilbevölkerung durch
die deutschen Truppen und über die deutschen Verbrechen im Zeitraum vom 1. bis
zum 6. August 1944. Hier wird zum ersten Mal ganz kurz der Mechanismus des Vorge-
hens gegen die Zivilbevölkerung in den von der Wehrmacht, der SS-Brigade Dirlewan-
ger und der Division RONA6 eroberten Bezirken geschildert
– von den Massenmorden
4 Władysław Bartoszewski : Dni walczącej stolicy. Kronika Powstania Warszawskiego [Tage der Kämpfe in
der Hauptstadt. Chronik des Warschauer Aufstandes], Warschau 32004 [1984], S. 241.
5 Ebd., S. 490.
6 Die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS «RONA» (auch russische Nr. 1 genannt) entstand im Sommer
1944 aus der Waffen-Sturm-Brigade RONA. Die Abkürzung steht für «Russische Volksbefreiungsarmee»
(Russkaja oswoboditelnaja narodnaja armija). Nach ihrem Anführer Bronislaw W. Kaminski wurde sie
auch Kaminski-Brigade genannt. Sie wurde im Jahr 1941 im Gebiet Brjansk als Miliz aufgestellt, rekru-
tierte v. a. Freiwillige aus den besetzten sowjetischen Gebieten und wurde im «Partisanenkrieg» einge-
setzt. 1944 wurde sie Erich von dem Bach-Zelewski unterstellt und nahm den Namen «Russische Volks-
befreiungsarmee» an. Kaminski wurde unter ungeklärten Umständen nach dem Einsatz in Warschau
liquidiert und die Truppe später in die Wlassow-Armee eingegliedert. Vgl. Hans Umbreit : Die deutsche
Herrschaft in den besetzten Gebieten 1942–1945, in : Bernhard R. Kroener et al. (Hg.), Das Deutsche
Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 5.2 : Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen