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Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 515 -
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Page - 515 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

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515Die Warschauer Deportierten von 1944 | ich hier eine Sammlung von Eindrücken, Bildern und Fragmenten von Erzählungen. Diese Form entspricht wahrscheinlich besser der Komplexität und dem mosaikartigen Charakter jener Schicksale. Alle Gesprächspartner aus dieser Gruppe waren bereits im 1918 neu errichteten Polen geboren worden und waren beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Kinder oder Jugendliche. Der Älteste wurde 1922, der Jüngste 1931 geboren. Das Jahr 1939 be- deutete das Ende ihrer unbekümmerten Kindheit, ihrer «holden Jugendzeit», was sie meist in ihren Erzählungen betonen. Bei allen individuellen Unterschieden kann man dominierende Untergruppen erkennen, die durch ihre Familie, das Milieu und den Sozialstatus geprägt waren. Bürgerliche Piłsudski-Anhänger Die erste, kohärenteste Untergruppe bildeten Kinder und Jugendliche aus wohlhaben- den Beamtenfamilien, in denen eine Erziehung in der patriotischen freiheitsstreben- den Tradition des 19. Jahrhunderts eine große Rolle spielte. Sie verehrten den National- helden Józef Piłsudski, erster Staatschef des unabhängigen Polen, Sieger über die Rote Armee in der Schlacht von Warschau 1920 sowie ab 1926 dikatorisch regierender Mi- nisterpräsident. In dieser Gruppe ist der Vater stets eine bedeutende Persönlichkeit, eine Autorität, er gibt nicht nur ein theoretisches Wertesystem weiter, sondern auch seine konkrete, in der Geschichte verhaftete Erfahrung, seinen persönlichen Einsatz im Kampf um die Unabhängigkeit Polens. Für die Zeitzeugen aus solchen Familien sind dieselben Themen und Persönlichkeiten der polnischen Geschichte wichtig, die- selben Ereignisse (eines davon ist der Tod Piłsudskis im Jahr 1935), und sie erzählen darüber in einer sehr ähnlichen Sprache. Einer von ihnen ist Wacław Wilk-Wilczyński, 1925 in Warschau als Sohn eines hohen Militärbeamten geboren. Unter den ersten Informationen aus seiner Lebensgeschichte taucht als Thema seine Taufe auf. Diese Darstellung, Teil einer Familienlegende, cha- rakterisiert ihn sofort in sozialer und politischer Hinsicht : «Getauft wurde ich im Dom des hl. Johannes des Täufers in der Altstadt. Mein Taufpate war Narcyz Witczak-Witaczyński, ein Cousin meiner Eltern. Er war Befehlshaber der Ehrenkom- panie des 1. Kavallerieregiments ‹Piłsudski›  – das war die Leibschwadron des Präsidenten der Republik Polen, Mościcki. Da er mein Taufpate war, wurde ich zur Taufe in einer Kalesche gefahren, vor die die Grauschimmel der Präsidentenkutsche gespannt waren.»9 9 AMM, MSDP, OH/ZP1/390, Interview mit Wacław Wilk-Wilczyński, Interviewer : Tomasz Gleb, Kielce, 5./6. 6. 2002. Narcyz Witczak-Witaczyński war ein hochdekorierter Offizier und Armeefotograf. Nach der Kapitulation Polens gründete er eine Untergrundorganisation und gab eine Untergrundzeitschrift heraus. Er wurde im Juli 1942 verhaftet und starb im März 1943 im KZ Majdanek. Ignacy Mościcki (1867–1946) war von 1926 bis 1939 Staatspräsident Polens. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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