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550 | Alexander Prenninger
wurde : Die gesamte Bevölkerung wurde über ein Durchgangslager in das KZ Majda-
nek evakuiert.33 Das bereits seit Ende 1941 geĂĽbte und 1943 systematisierte Vorgehen,
von der Front bedrohte Gebiete zu evakuieren, wurde ab Anfang 1944 auch auf die Ge-
fängnisse, Zwangsarbeits-, Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager im General-
gouvernement und auf dem Reichsgebiet angewendet.34
Lagerräumungen und Evakuierungstransporte im Jahr 1944
Im Jahr 1944 gelangten immer mehr Konzentrationslager, die unter Verwaltung des
SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes (WVHA) standen, in Frontnähe und wur-
den geräumt. Bereits im Februar 1944 mussten im Baltikum die ersten Lager und bis
zum Herbst auch alle ĂĽbrigen evakuiert werden. Mitte 1944 folgte an der Ostfront die
Evakuierung der Konzentrationslager Majdanek und Płaszów. Nach der Landung der
westlichen Alliierten in Frankreich folgte im Herbst die Auflösung der Lager in den
besetzten Gebieten Westeuropas.
Der KZ-Komplex Mauthausen wurde ab dem FrĂĽhjahr 1944 Ziel zahlreicher gro-
ßer Transporte von jüdischen, polnischen und sowjetischen Häftlingen aus den Kon-
zentrationslagern Auschwitz und Płaszów. Außerdem wurden infolge des Warschauer
Aufstands mehrere Tausend polnische Zivilisten aus der evakuierten Stadt nach Maut-
hausen deportiert. Von den etwa 50.000 Häftlingen, die zwischen Mai und Dezember
1944 nach Mauthausen kamen, waren rund 80Â
Prozent Polen, SowjetbĂĽrger und Juden.
Das massive Ansteigen der Häftlingszahlen in Mauthausen brachte das Lagerregime
an seine Grenzen : Die Baracken waren ĂĽberfĂĽllt, die Versorgung mit Lebensmitteln
verschlechterte sich und die Häftlinge waren oft nur mehr mit Lumpen bekleidet. Die
Sterblichkeitsrate sank zwar 1944 im Vergleich zum Vorjahr, in absoluten Zahlen stieg
sie jedoch von ca. 8500 Toten auf fast 15.000 Tote an.35
Von Kaunas nach Gunskirchen
Von Mitte 1943 bis Sommer 1944 gelang es der Roten Armee, die deutschen Truppen
an der gesamten Ostfront durch zahlreiche Offensiven weit zurückzudrängen. Im Bal-
tikum musste sich die Heeresgruppe Nord Mitte Jänner 1944 auf die sogenannte «Pan-
ther-Stellung» zurückziehen, die im Norden ungefähr der heutigen Grenze Estlands
und Lettlands mit Russland entsprach, wo die Front Anfang März 1944 zum Stehen
33 Befehl des Oberkommandos der 3. Panzerarmee, 12. August 1943, in : MĂĽller, Deutsche Besatzungsherr-
schaft, S. 155.
34 Ein Beispiel dafür ist die Weisung des BdS Radom, Walter Bierkamp, vom 21. Juli 1944 für die Räumung
der Gefängnisse im Bezirk Tomaszów. Siehe dazu Blatman, Die Todesmärsche 1944/45, S. 96 f.
35 Vgl. Freund/Perz, Mauthausen – Stammlager, S. 315 u. 324.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen