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565Evakuierungslager
Mauthausen |
klimatischen Bedingungen : Evakuierungen mitten im extrem harten Winter 1945 bei
Temperaturen unter zwanzig Grad Celsius waren für die ohnehin geschwächten und
höchst inadäquat ausgerüsteten Häftlinge alleine schon oft genug tödlich.
In dieser Phase der Lagerevakuierungen avancierte Mauthausen zu einem vorran-
gigen Evakuierungsziel. Zahlreiche große Transporte mit Häftlingen aus den Lager-
komplexen Auschwitz und Groß-Rosen trafen Ende Jänner und im Februar 1945 in
Mauthausen ein. Mindestens ein Transport mit ca. 4800 Häftlingen, darunter ca. tau-
send jüdische Häftlinge aus dem Außenlager Fürstengrube, wurde wegen «Überfüllung»
von der Lagerkommandantur nicht angenommen und nach Mittelbau-Dora bzw. Ra-
vensbrück weitergeleitet. Der enorme Zuwachs der Häftlingspopulation in den noch
bestehenden Konzentrationslagern führte auch zur Überstellung von Häftlingen in
andere Lager : Von Sachsenhausen wurden Mitte Februar ca. 3000 Männer und von
Ravensbrück Anfang März ca. 1980 Frauen und Kinder nach Mauthausen geschickt,
um bei sich selbst Platz für neu angekommene Häftlinge zu schaffen.
Die Evakuierung des KZ-Komplexes Auschwitz und seiner AuĂźenlager begann am
17. Jänner 1945. Der größte Teil der Häftlinge wurde in Fußmärschen zu zwei Eisen-
bahnknotenpunkten getrieben. Über den Knotenpunkt Loslau kamen Häftlinge aus
den Lagern Auschwitz I, Birkenau, Babitz, Charlottengrube, Jawischowitz und Plawy
nach Mauthausen. Unter den Häftlingen aus Birkenau waren auch die Überlebenden
des Sonderkommandos. In den Transporten von Gleiwitz nach Mauthausen befanden
sich Häftlinge aus den Lagern Birkenau, Monowitz, Fürstengrube und wahrscheinlich
aus SosnowitzÂ
II. Sowohl entlang der Marschrouten wie auch an den BahnlinienÂ
– auch
auf österreichischem Gebiet – wurden zahlreiche Massengräber gefunden. Zwischen
25. Jänner und 2. März 1945 wurden im KZ Mauthausen über 9400 Häftlinge aus
Auschwitz registriert ;76 wie viele Häftlinge tatsächlich von Auschwitz nach Mauthau-
sen evakuiert wurden, lässt sich nicht mehr feststellen, da die Toten in den Transporten
bzw. bei der Aufnahme im Lager nicht registriert wurden.
Im ausgedehnten KZ-Komplex Groß-Rosen, zu dem ca. 100 Außenlager gehörten,
begann die Evakuierung Ende Jänner 1945.77 Der Evakuierungsbefehl für das Stamm-
lager, in dem Ende Jänner noch Tausende Häftlinge aus Auschwitz untergebracht
wurden, erfolgte am 8./9. Februar. Bis Anfang März wurden mindestens ca. 5500
männliche Häftlinge in das KZ Mauthausen bzw. das Außenlager Ebensee evakuiert.
Außerdem wurden ca. 3000 weibliche Häftlinge aus Groß-Rosener Lagern in einem
oder mehreren Transporten nach Mauthausen gebracht, blieben dort aber nur zwei
Wochen und wurden weiter nach Bergen-Belsen transportiert. Andere Häftlinge ka-
76 Maršálek, Geschichte, S. 149 f.
77 Ich folge hier : Isabell Sprenger/Walter Kumpmann : Groß-Rosen – Stammlager, in : Wolfgang Benz/
Bar bara Distel (Hg.), Der Ort des Terrors. Bd. 6 : Natzweiler – Groß-Rosen – Stutthof, München 2007,
S. 195–221. Vgl. auch Isabell Sprenger : Groß-Rosen. Ein Konzentrationslager in Schlesien, Köln/Weimar/
Wien 1996 ; dies : Das KZ GroĂź-Rosen in der letzten Kriegsphase.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen