Page - 568 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
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568 | Alexander Prenninger
Die gehorteten Lebensmittel konnte Maestro auf den Marsch jedoch nicht mitneh-
men : «Nichts habe ich mitgenommen. Andere, die gewusst haben, wo es ist, haben [die
Lebensmittel zuerst, Anm. AP] genommen.»83 Auch Charlotte Tetzner hatte sich vor
dem Abmarsch noch ein Paar Stiefel aus den Magazinen besorgt, da festes Schuhwerk
auf den Evakuierungsmärschen lebenswichtig war :
«Und wir sind da bis in die Nacht marschiert. Und dann sollten wir auf einem BauernhofÂ
– äh,
auf dem Heuboden ĂĽbernachten. – Und kaum hat man sich die Stiefel ausgezogen,Â
– übrigens
dazu muss ich ja noch sagen, äh wir konnten uns Schuhe nehmen, denn äh das waren ja
von den jüdischen Menschen, – äh wurde ja alles gesammelt in Auschwitz, das nannte man
[…Â
… ?] gab es Baracken, da waren eben die äh Kleidungs/ äh Sachen, dort waren die Schuhe,
dort war der Schmuck und und und, all das so Sachen, nicht. Und wir konnten uns also
Schuhe aussuchen, aber wir hatten ja nicht Zeit, bis wir so das Richtige gefunden hatten. Das
musste alles schnell gehen, nicht. Wie, wie de/ der Abmarsch war. [atmet tief ein] Und na ich
hatte jedenfalls ein Paar Stiefel. Und, [dann] zog ich [sie] also dort aus, wo wir ĂĽbernachten
sollten. Ja – – auf einmal, wir wo/ hatten uns gerade hingelegt, da hieß es weiter. Jetzt wieder
in die Schuhe rein, das war ein Problem. Da kamen wir nicht mehr rein, da waren die FĂĽĂźe
geschwollen. Und dann weiter laufen.»84
Aus den Berichten geht immer wieder hervor, dass die Häftlinge wussten : wer zurück-
bleibt, wird erschossen. Agnes Frank de Klein musste mit ihrer Mutter zu FuĂź vom
AuĂźenlager Breslau-Hundsfeld in das Stammlager GroĂź-Rosen marschieren :
«Wir waren mehr oder weniger tausend Personen und es kam die Hälfte an, weil es so furcht-
bar kalt war im Januar, 21. Januar, und die, die nicht gehen konnten, brachten sie unterwegs
um. Und meine Mutter war jung, sie war 42Â Jahre alt, und sie schleifte mich mit, damit ich
mich nicht hinsetzte, damit sie mich nicht umbrachten.»85
Eindringlich in Erinnerung geblieben ist vielen Interviewten auch die auf den FuĂź-
marsch folgende Bahnfahrt : Fritz Kleinmann erzählt, dass die Häftlinge in Gleiwitz
in offene Viehwaggons verladen wurden : «in offene Waggons bei dieser Kälte». Marta
Ciecerski berichtet : «Und dann haben Sie uns genommen, ein Viehtransport, na dass,
das war auch der gefährlichste [Transport]. Na ja, aber irgendwie am Leben geblie-
ben …» Auch Jakob Maestro erinnert sich, dass er in einem offenen Waggon war :
83 AMM, MSDP, OH/ZP1/299, Interview Maestro, Z. 1853.
84 AMM, MSDP, OH/ZP1/225, Interview Tetzner, Z. 454–467.
85 AMM, MSDP, OH/ZP1/751, Interview mit Agnes Frank de Klein, Interviewerin : Regula Nigg, Buenos
Aires, 8./15. 1. 2003, Übersetzung, Z. 52–57.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen