Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Volume 2
Page - 579 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 579 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

Image of the Page - 579 -

Image of the Page - 579 - in Deportiert nach Mauthausen, Volume 2

Text of the Page - 579 -

579Evakuierungslager Mauthausen | gehen, dann sollen sie es sagen, wir/ dann sollen sie es sagen.› Ungefähr, ‹es gibt für Sie ein Transportmittel›. Also, einige, die/. Wissen Sie, man musste/ musste schon wirklich naiv sein, um zu glauben, was sie uns erzählten. Und, sie haben –  –/. Wir sind zum Lager Mauthausen hinaufgegangen. Zunächst, die Mädchen, die nicht gehen konnten, haben wir nie mehr wie- dergesehen. Sie müssen sofort vergast worden sein.»117 Die Holländerin Clementina Ulrix hörte auch die Schüsse auf dem Weg ins Lager ; sie erzählt jedoch, dass die Frauen, die mit Lastwägen abgeholt wurden, tatsächlich ins Lager kamen und nicht ermordet wurden.118 Mehrere Frauen erzählen, wie sie sich gegenseitig auf dem Fußmarsch geholfen haben. Marie-José Chombart de Lauwe war um ihre kranke Mutter besorgt. Die Russin Raisa Tobišková war selbst bereits völlig erschöpft und wurde von ihren Freundinnen mitgeschleppt.119 Anastasija Archipenko erzählt dagegen, dass manche hinfielen und niemand half : «Wissen Sie, wie wir ja in der Kolonne gehen mussten : Du marschierst und steigst über/. Das ist ja in den Bergen, das Lager dort. Und ich denke mir : Oh Gott, da sind die Leute gestorben, und niemand schafft sie weg. […] Sie ist hingefallen, sie sind drübergestiegen und weiterge- gangen. Niemand hat sie aufgehoben.»120 Als besonders demütigend wird von vielen Frauen die Aufnahmeprozedur beschrie- ben. Marie-José Chombart de Lauwe erzählt, dass sie einer Läusekontrolle unterzogen wurde : «Sie hießen uns auf einen Hocker steigen. Aber es waren die männlichen [be- tont] Deportierten, die nachsehen mussten, ob wir nicht Läuse hatten, selbst/ selbst an verborgenen Stellen. Und, das muss man schon sagen, sie waren sehr korrekt, es war ihnen genauso peinlich wie uns.»121 Jeanne Bonneaux wird noch beim Interview wütend, als sie erzählt, wie ein SS-Mann sie unter der Dusche beobachtete : «Der saß so, mit überkreuzten Beinen, auf einem runden Tisch […], auf einem Tisch und der sagte, er rauchte so : ‹Das ist Paris ! Das ist Paris !› Wissen Sie, das/ ich hätte ihn getötet, getötet, getötet.»122 Über Sinn und Zweck solcher Erniedrigungsrituale reflektiert die Holländerin Lucia Rombaut im Interview : 117 AMM, MSDP, OH/ZP1/326, Interview mit Jeanne Bonneaux, Interviewerin : Julia Montredon, Paris, 26./27. 10. 2002, Übersetzung, Z. 2710–2726. 118 AMM, MSDP, OH/ZP1/544, Interview mit Clementina Ulrix, Interviewer : Frank Aarts, 2. 2. 2002, Has- selt, Übersetzung, S. 30 f. 119 AMM, MSDP, OH/ZP1/820, Interview mit Raisa Tobišková, Interviewerin : Jana Drdlová, Hradec Králove, 26. 4. 2003, Z. 89–98. 120 AMM, MSDP, OH/ZP1/493, Interview mit Anastasija Iwanowna Archipenko, Interviewerin : Irina Ost- rowskaja, Kochiwka, 31. 7. 2002, Übersetzung, Z. 776–783. 121 AMM, MSDP, OH/ZP1/325, Interview Chombart de Lauwe, Z. 2163–2167. 122 AMM, MSDP, OH/ZP1/326, Interview Bonneaux, Z. 2867–2875. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
back to the  book Deportiert nach Mauthausen, Volume 2"
Deportiert nach Mauthausen Volume 2
Title
Deportiert nach Mauthausen
Volume
2
Authors
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Editor
Melanie Dejnega
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Size
16.8 x 23.7 cm
Pages
716
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Deportiert nach Mauthausen