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582 | Alexander Prenninger
standen im Zusammenhang mit der Auflösung des KZ-Komplexes Mittelbau-Dora
Anfang April 1945. Darunter befand sich der sogenannte «Taifun-Express», mit dem
die in der Produktion der Taifun-Raketen beschäftigten KZ-Häftlinge zusammen mit
den Produktionsanlagen evakuiert wurden. Mauthausen war offensichtlich nicht das
primäre Evakuierungsziel, da der Zug, der am Abend des 5. April 1945 Dora verließ,
zunächst Richtung Norden fuhr und erst nach zwei oder drei Tagen die Fahrtrichtung
nach SĂĽden wechselte. Bei einem Aufenthalt wurde an den Zug ein zweiter Evakuie-
rungstransport angehängt : Es handelte sich um ca. 2200 Frauen aus dem Groß- Rosener
AuĂźenlager Zillerthal-Erdmannsdorf. Am 14. oder 15. April erreichte der Zug Linz, wo
die beiden Transporte wieder getrennt wurden. Das nächste Ziel des «Taifun-Express»
war Gmunden ; offensichtlich war geplant, die Produktion der Taifun-Raketen hier
wieder aufzunehmen. Allerdings kam es zu einer erneuten Teilung des Zuges. Wäh-
rend die deutschen Zivilarbeiter, die Produktionsanlagen und ein kleiner Teil der Häft-
linge die Fahrt Richtung Tirol und Bayern fortsetzten und am 18. April bei Fischbach
am Inn ankamen, wurden die übrigen 216 Häftlinge nach Ebensee geschickt.131 Der
Zugteil mit den Frauen wurde dagegen direkt nach Mauthausen gefĂĽhrt. Dies waren
die letzten Frauen, die noch im Zugangsbuch des Frauenkonzentrationslagers Maut-
hausen registriert wurden.132
Der Transport aus Venusberg und Freiberg
Der letzte Evakuierungstransport, der in das Stammlager Mauthausen gefĂĽhrt wurde,
kam aus den FlossenbĂĽrger AuĂźenlagern Freiberg und Venusberg in Sachsen. Etwa
2000 Frauen kamen mit diesem Transport nach Mauthausen. Auch dieser Evakuie-
rungstransport ist durch zahlreiche MSDP-Interviews außergewöhnlich gut dokumen-
tiert.133
Beide Lager waren erst sehr spät gegründet worden, Freiberg im August 1944 und
Venusberg im Jänner 1945 ; die Häftlinge wurden in der Produktion von Flugzeugtei-
len eingesetzt. In beiden Lagern waren jeweils ca. 1000 JĂĽdinnen untergebracht. Die
Freiberger Häftlinge waren von Ende August bis Mitte Oktober von Auschwitz gekom-
men ; etwa die Hälfte stammte aus Polen und ein Drittel aus der Tschechoslowakei. In
Venusberg befanden sich 500 ungarische JĂĽdinnen, die von Budapest nach Ravens-
brück deportiert worden waren und im Jänner 1945 in Venusberg eintrafen. Ein zwei-
ter Transport mit 500 Jüdinnen unterschiedlichster Nationalität kam im Februar 1945
131 Joachim Neander : Das Konzentrationslager «Mittelbau» in der Endphase der nationalsozialistischen
Diktatur. Zur Geschichte des letzten im «Dritten Reich» gegründeten selbständigen Konzentrations-
lagers unter besonderer Berücksichtigung seiner Auflösungsphase, Clausthal-Zellerfeld 31999 [1997],
S. 349–353.
132 Ich folge hier : Neander, Auschwitz – Grosswerther – Gunskirchen, S. 287–310.
133 Unter den MSDP-Interviews befinden sich 25Â Interviews mit Ăśberlebenden aus Freiberg und acht In-
terviews mit Ăśberlebenden aus Venusberg.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Volume 2
- Title
- Deportiert nach Mauthausen
- Volume
- 2
- Authors
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Editor
- Melanie Dejnega
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Size
- 16.8 x 23.7 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen