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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 1/2015
Page - 169 -
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Page - 169 - in Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 1/2015

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Mobile Culture Studies. The Journal 1 2o15 Philipp Mettauer | Die Überfahrt österreichischer Jüdinnen und Juden nach Südamerika 169 als flüchtlinge und nicht als Touristen zu identifizieren, die ohne gültige Dokumente keinerlei chance auf Aufnahme im Exilland gehabt hätten. hier wiederum fügen sich hannah Arendts Überlegungen über die Rechtlosigkeit der Staatenlosen bzw. Giorgio Agambens Anmerkungen zum „nackten Leben“ nahtlos ein: Papiere sind es, die über Leben und Tod entscheiden. Argentinien als Exilland Argentinien galt bis in die frühen 1930er Jahre als klassisches Einwanderungsland. Die Gesell- schaft war mehrheitlich geprägt von italienischen und spanischen Immigrantinnen und Immi- granten, das Land entwickelte sich zu einem der „europäischsten“ Lateinamerikas. Das einzige Ballungszentrum, Buenos Aires, am Rio de la Plata gelegen, wurde seiner dem französischen Stil nachempfundenen Architektur wegen auch das „Paris Südamerikas“ genannt, seine Bewoh- nerinnen und Bewohner bezeichnen sich selbst als porteños, „hafenbewohner“. Dieser „Migrationshintergrund“ beinahe aller Argentinierinnen und Argentinier schlägt sich in ihrer Identitätskonstruktion nieder, die Bedeutung des Transportmittels, das diese Mobilität erst ermöglichte, das Schiff, erhält einen hohen Stellenwert im Selbstbild, das sich in einem gängigen Sprichwort folgendermaßen ausdrückt: „Los mejicanos descienden de los Mayas y Aztecas, los argentinos descienden de los barcos.“ Sinngemäß übersetzt: „Die Mexi- kaner stammen von den Mayas und Azteken ab, die Argentinier steigen von den Schiffen aus.“ Das in der Verfassung von 1853 festgeschriebene Motto des jungen Staates lautete: „Regieren heißt bevölkern!“ Vor allem die weiten und fruchtbaren Ebenen sollten besiedelt werden, vor- zugsweise mit in der Landwirtschaft erfahrenen Europäerinnen und Europäern. So gelangten auch die ersten Jüdinnen und Juden, die zumeist um die Jahrhundertwende vor antisemitischen Pogromen aus Polen und Russland geflüchtet waren, nach Argentinien und gründeten erste kollektive Agrarsiedlungen. (Vgl. Winsberg 2001) Die flüchtlinge der 1930er Jahre passten nun aber so gar nicht in dieses Bild der erwünsch- ten Emigrantinnen und Emigranten. Deutsche und österreichische Jüdinnen und Juden, die vor dem Nationalsozialismus fliehen mussten, stammten meist aus der Mittelschicht, dem städ- tischen Bildungsbürgertum und wollten sich wiederum in den Städten, vornehmlich in Buenos Aires, niederlassen. Sie hatten alle möglichen Berufe, aber Landwirt oder Landwirtin waren die wenigsten von ihnen. Des Weiteren fühlte sich die konservativ-klerikale führungsschicht Argentiniens von den republikanischen flüchtlingen des verlorenen spanischen Bürgerkriegs bedroht, weshalb die Einwanderungsbestimmungen Schritt für Schritt verschärft wurden. (Vgl. Jakisch 1989, Senkman 1991) 1938/39 war eine Aufenthaltserlaubnis praktisch nur mehr unter dem Titel der familien- zusammenführung zu erlangen. Das bedeutete, dass ein bereits in Argentinien ansässiger Ver- wandter die Einreisebewilligung, die sogenannte llamada, den „Ruf“, beantragen und weit- reichende Garantien für den Lebensunterhalt der familie abgeben musste. Diese Angehörigen waren meist bereits in den 1920er und 1930er Jahren auf der Suche nach Arbeit nach Südame- rika ausgewandert, um dort ihr Glück zu versuchen. Zwischen 1930 und 1937 wanderten 2.377 österreichische Jüdinnen und Juden nach Argentinien aus. (Moser 1999, 11) Manchmal waren sie aber auch die „schwarzen Schafe“ der familie, die dann paradoxerweise einen Großteil ihrer Angehörigen retten konnten, wie Lisa Leist de Seiden über ihren entfernten Onkel im Interview erzählt:
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 1/2015
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
1/2015
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2015
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
216
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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