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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 2/2016
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126 Mobile Culture Studies. The Journal 2 2o16 Christine Egger | Mobile World Passau In Anlehnung an den Soziologen Ludger Pries könnte man von einem transnationalen sozialen Raum sprechen, in dem sich Alltagspraktiken, Symbolsysteme und Artefakte der Migration sichtbar verdichten. An dieser Schnittstelle zeigte sich nicht nur die Macht des Lokalen in aller Deutlichkeit, an diesem Ort eröffnete sich auch das globale Hinterland der niederbayeri- schen Stadt (Pries 2008, 229-236 , Schmidt-Lauber 2010, 23). Die Hauptfigur Karim Mensy im Roman Ohrfeige erzĂ€hlt: „Am Tag, an dem ich Geld vom Sozialamt bekam, kaufte ich mir ein Handy mit Prepaid- karte, rief sofort meine Familie in Bagdad an und behauptete, ich hĂ€tte bereits einen guten Job gefunden, eine nette Wohnung im Zentrum von Niederhofen angemietet und sei in guten HĂ€nden. Ganz bald wĂŒrde ich mit meinem Studium anfangen. Dann war mein Guthaben aufgebraucht und mitten im GesprĂ€ch wurde die Verbindung unterbrochen“ (Khider 2016, 159). „Asylheimat“. IdentitĂ€ten und Zugehörigkeiten Unter der Rubrik „Was Passauer denken, aber nicht sagen“ veröffentlicht das Stadtmagazin Pasta! regelmĂ€ĂŸig SprĂŒche, die per Email an die Redaktion geschickt werden und einen guten Gradmesser fĂŒr die Stimmung in der Stadt darstellen. „D’FlĂŒchtling mochan mia nix. Oba a bissal vui Polizei is unterwegs“ (Martens 2016a, 6), war im Februar 2016 an dieser Stelle zu lesen. Viele Passauer Imbiss-, Restaurant- und Hotelbesitzer_innen dĂŒrften sich in der touristischen Nebensaison auch ĂŒber die andauernde PrĂ€senz von bis zu 800 Beamt_inn_en der Bundespo- lizei, die aus ganz Deutschland in Stadt und Region zusammengezogen worden waren, gefreut haben. Das Leben in der deutsch-österreichischen Grenzregion verĂ€nderte sich seit September 2015 allerdings weniger durch die neuen Flucht- und Migrationsbewegungen und ihre unmit- telbaren Auswirkungen, als durch die Reaktionen darauf (Schweighofer 2016, Martens 2016b) .„FrĂŒher haben wir uns fĂŒr die Insel der Seligen gehalten, die Weltpolitik war irgendwo anders. Jetzt wissen wir, wie schnell man mittendrin sein kann“, formulierte der zweite BĂŒrgermei- ster der kleinen Grenzgemeinde Wegscheid im Landkreis Passau im April 2016 gegenĂŒber der SĂŒddeutschen Zeitung (Eisenreich 2016). Der bayerische MinisterprĂ€sident Horst Seehofer hatte bereits im Oktober 2015 eine Begrenzung der Zuwanderung gefordert und der Bundesregierung unter Angela Merkel nicht zuletzt mit einer Verfassungsklage gedroht. Diese Diskussion wurde losgetreten, noch lange bevor die Ereignisse der Silvesternacht in Köln der öffentlichen Debatte um Flucht, Migration und Asyl eine neue Richtung gaben und die „östliche Balkanroute“ im MĂ€rz 2016 geschlossen wurde (Schulz und Stadler 2016, Amjahid u.a. 2016). „Wir kommen nicht um die Feststellung herum, dass das massive und plötzliche Erscheinen von Fremden auf unseren Straßen weder von uns verursacht wurde noch unter unserer Kon- trolle steht. (
) Kein Wunder, dass die stĂ€ndig neu eintreffenden Immigranten (
) als ‚Boten des UnglĂŒcks‘ empfunden werden. Sie verkörpern den Zusammenbruch der Ordnung. (
) Diese Nomaden – die nicht aus eigenem Antrieb, sondern aufgrund eines herzlosen Schicksals dazu geworden sind – erinnern uns auf irritierende Weise an die (unheilbare?) Verwundbarkeit unserer eigenen Stellung und an die epidemische Zerbrechlichkeit unseres hart erarbeiteten Wohlstands“ (Bauman 2016, 20-21, 24), fasst Zygmunt Bauman die Lage in Europa zusammen.
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 2/2016
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
2/2016
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2016
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
168
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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