Page - 127 - in Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 2/2016
Image of the Page - 127 -
Text of the Page - 127 -
Mobile Culture Studies. The Journal 2 2o16
Christine Egger | Mobile World Passau 127
Der Soziologe und Migrationsforscher betrachtet es als allzu menschliche Gewohnheit, den
Überbringer für den unerwünschten Inhalt seiner Botschaft verantwortlich zu machen, warnt
jedoch vor politischem Populismus und Panikmache. Stattdessen plädiert er in seinem Essay
‚Die Angst vor dem anderen‘ (2016, 7-25) für Menschlichkeit, Solidarität, Gelassenheit und
Empathie als einzigen Ausweg aus der Krise.
Spätestens im Frühjahr 2016 wurde die Angst vor den anderen, die Bauman als Reaktion
auf das demütigende Gefühl der eigenen Hilflosigkeit beschreibt, im niederbayerischen Alltag
hör- und spürbar (Heisl 2016, Heidtmann 2016, Rüttenauer 2016). Diese Stimmungslage wurde
zum Beispiel am Gespräch von zwei Verkäuferinnen in einem Passauer Modegeschäft deutlich:
„Ab zehn Kinder kriegen die Syrer, die jetzt kommen, ein nagelneues Haus! Hast Du das
schon gehört?“
„Und wir müssen jahrelang schuften, damit wir uns überhaupt was leisten können. Nicht,
dass es uns schlecht ginge, überhaupt nicht, aber da geht es ums Prinzip.“
Der Zorn gegenüber Geflüchteten als sichtbarem „Produkt“ der wachsenden Unsicherheit in der
Welt entlud sich auch auf der Facebook-Seite der „Stadtgalerie Passau“ (Bauman 2016, 20-24):
„Mittlerweile Treffpunkt Nr. 1 fuer Fluechtlinge. Nach 3 Stunden einkaufen hat man kei-
nen Platz sich irgendwo hinzusetzen und mal 5 Min auszuruhen weil alle Plaetze vun (sic!)
Fluechtlingen belegt sind die dort den ganzen Tag abhaengen und sich die Zeit totschlagen
indem sie Frauen nachstarren und auf ihren Handys rummachen. Hatten nach 3 Stunden
die Nase voll und werden in Zukunft auf Einkaufcenter in Pocking oder Pfarrkirchen aus-
weichen“ (Stadtgalerie Passau 2016b).
Dabei kamen schon im Februar 2016 kaum mehr Migrant_inn_en in Passau an, und nicht nur
Die Zeit, auch andere Medien waren voll des Lobes für „die bürokratische Präzision, die Herz-
lichkeit und das spontane Organisationsgeschick“, mit dem die Stadt in den vorausgegangenen
Monaten fast eine Million Menschen aufgenommen und verteilt hatte (Schweighofer 2016,
Eisenreich 2016, Glas und Kuhr 2016; Otto 2016).
Abb. 8: Aktuelles bei Bücher Pustet, Passau (Deutschland), 23.02.2016, Foto: Christine Egger
Mobile Culture Studies
The Journal, Volume 2/2016
- Title
- Mobile Culture Studies
- Subtitle
- The Journal
- Volume
- 2/2016
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Location
- Graz
- Date
- 2016
- Language
- German, English
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 168
- Categories
- Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal