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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 2/2016
Page - 163 -
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Page - 163 - in Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 2/2016

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Mobile Culture Studies. The Journal 2 2o16 Michael Hieslmair und Michael Zinganel | Mobilitätserfahrungen und Grenzinfrastruktur 163 Zeitpunkt waren bereits Busse des Militärs im Einsatz. Als diese ihre Kapazitätsgrenze erreichten, wurden vom Krisenstab15, der im Zuge der Ereignisse eingerichtet worden war, zusätzlich Busse eines privaten Unternehmens eingesetzt. Diese waren flexibler als die Sonderzüge, um die Flücht- linge direkt an die jeweiligen Zieldestinationen zu bringen.16 Viele der Busfahrer stammten wie schon erwähnt aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, ihre Familien hatten selbst die Erfahrun- gen von Migration oder Flucht gemacht. Zur Bewältigung der Flüchtlingswelle wurden auch die seit dem Ende der EU- und Schengen- Grenze kaum genutzten Parkflächen und Grenz-Infrastrukturen reaktiviert und mit ephemeren Infrastrukturen aus der Katastrophen-Hilfe und Eventindustrie ergänzt. Der große Parkplatz vor einer ehemaligen Grenzland-Diskothek und Raststätte auf österreichischer Seite diente als Warte- zone für die angeforderten Busse, die von dort aus einzeln an die Grenze geschickt wurden. Der Veranstalter eines grenznahen Rockfestivals öffnete seine Backstage-Halle und die Festivalwiese als Zeltplatz zur Unterbringung von Flüchtlingen. An der Autobahn wurden der LKW-Parkplatz vor der überdachten Kontrollzone und der Raum unter dem großen Flug-Dach zur Erstversor- gung der Flüchtlinge adaptiert. Auf der großen Asphaltfläche wurden später zwei große beheiz- bare Zelte errichtet. Diese mussten nicht mehr in Betrieb genommen werden, denn schon am 15. Oktober endete der Flüchtlingsstrom auf dieser Route. Die medial groß inszenierte „Schließung“ der Grenze zwischen Serbien und Ungarn durch die ungarische Regierung lenkte die Ströme nun auf einen anderen Strang der Balkanroute um. In den kritischen Tagen waren die verantwortlichen Regierungspolitiker in Wien unterge- taucht. Die an der Grenze zusammengekommenen Hilfskräfte und Kontrollorgane, die staatlichen eingeschlossen, reagierten in der Notlage und in Ermangelung von Anweisungen eigenmächtig, sie widersetzten sich den Regulativen des Dublin II Abkommens, indem sie nicht kontrollierten, sondern lediglich versuchten, die Menge an Flüchtlingen zu versorgen und gleichzeitig immer in Bewegung zu halten, damit es zu keinen Eskalationen vor laufenden TV-Kameras kommt.17 Die österreichische Willkommenskultur betraf mehrheitlich nicht das Bleiben der Flüchtlinge, son- dern deren möglichst konfliktfreien Weitertransport nach Deutschland. Der reaktivierte Grenz- übergang stellte im Herbst 2015 demnach nicht so sehr einen Ort der De-Mobilisierung dar, sondern vielmehr der Mobilisierung. Er offenbarte eine staatlich geduldete Strategie der ‚Weg- Mobilisierung’, die Österreich mit anderen Ländern entlang der Flüchtlingsrouten teilte.18 Im Oktober 2016, zum Abschluss unseres Forschungsprojektes und genau ein Jahr nach der Flüchtlingswelle, wiederholten wir die Bustour zum Grenzübergang:19 Dort stellten wir fest, 15 Der Krisenstab bestand aus Vertretern des österreichischen Innenministeriums, des Militärs, der Österreichischen Bundesbahnen, und des Roten Kreuzes stellvertretend für alle beteiligten NGOs, der Wiener Magistratsabteilung MA70, und aus Vertretern der ÖBB-Postbus GmbH, sowie des größten privaten Busunternehmens Dr. Richard. Er war in der Verkehrs-Leitzentrale des ÖBB am Wiener Hauptbahnhof stationiert. 16 Oberst Wolfgang Mayerhofer, Kommando Einsatzunterstützung, Leiter Verkehrsführung und Transport, Öster- reichisches Bundesheer, Interview am 08.09.2016. 17 Gerhard Zapfl, Bürgermeister von Nickelsdorf, Interview am 18.03.2016. 18 Vgl. dazu einen Text über die Situation in Italien: Federica Benigni und Marika Pierdicca, ‘Keep Moving! Strat- egien der Wegmobilisierung als Teil des italienischen Migrationsmanagements’, TRANSIT 10(2), 2016. <http:// escholarship.org/uc/item/6gp1j1fn> [besucht am 26.10.2016] 19 Die Bustour vom Samstag, den 8. Oktober 2016 war Teil des Rahmenprogramms unserer Abschluss-Ausstel- lung in der Akademie der Bildenden Künste Wien: <http://stopandgo-transition.net/publication/roadregisters/> [besucht am 26.10.2016]
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 2/2016
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
2/2016
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2016
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
168
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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